Am Tag nach dem Angriff auf das Heiligste der amerikanischen Demokratie steht die deutsche Politik unter Schock. Und der wird eher noch größer, je mehr Details, je mehr Bilder und Berichte über die Ereignisse in und vor dem US-Kongress die Runde machen.

Man musste sich ja an einiges gewöhnen in den zurückliegenden vier Jahren der Präsidentschaft von Donald Trump. Aber eine Stürmung des Parlaments durch seine aufständischen Anhänger – nach mehr oder weniger expliziter Aufforderung durch Trump?

»Wir mussten mit ansehen, wie verwundbar selbst die älteste und mächtigste Demokratie der Welt ist«, sagt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

Einig ist sich die politische Spitze der Bundesrepublik auch darin, dass der scheidende republikanische US-Präsident eine ganze Menge mit dem Angriff seiner Fans auf den Kongress zu tun hat. Bundespräsident Steinmeier drückt es so aus: »Diese Szenen, die wir gesehen haben, die sind das Ergebnis von Lügen und noch mehr Lügen, von Spalterei und Demokratieverachtung, von Hass und Hetze.« Das Ergebnis von vier Jahren Trump.

Der ist nun bald Geschichte, obwohl er seine Niederlage immer noch nicht anerkennt und an der Lüge von der gestohlenen Wahl festhält – am 20. Januar wird Joe Biden als Präsident vereidigt. Aber Hetze und Hass lösen sich deshalb ja nicht plötzlich in Luft auf in den USA, genauso wenig wie im Rest der Welt.

Wie gespalten auch Deutschland ist, hat sich in den vergangenen Jahren immer wieder gezeigt, befördert durch den Einzug der AfD in die Landesparlamente und den Bundestag – ob beim Thema Flüchtlingspolitik, Klimafragen oder in den vergangenen Monaten beim Kampf gegen das Coronavirus.

Amerikanische Verhältnisse sind das glücklicherweise noch nicht. Aber es ist erst wenige Monate her, dass Corona-Demonstranten gewaltsam die Stufen des Reichstags besetzten. Und Mitte November schafften es einige Protestierer sogar, ins Reichstagsgebäude zu gelangen.

Kein Wunder also, dass mancher Szenen wie in…