Liebe Leserin, lieber Leser,

heute beschäftigen wir uns mit den Folgen des Sturms auf das Kapitol in Washington. Die US-Demokratie steht unter Schock – und gerät zugleich mächtig in Bewegung.

Am Tag danach ist es ruhig in Washington. Auf den Straßen begegnet man recht wenigen Menschen. Der Corona-Normalzustand ist wieder eingekehrt.

Ein mit Aufklebern übersäter, mit Trump-Fahnen bestückter Van steht vor einem Hotel unweit des Regierungsviertels. Der Anhänger dient als Untersatz für einen riesigen Schriftzug: »Trump Unity«. Ebenfalls daran angebracht: das aus dem Straßenverkehr vertraute rote Sechseck. Nur die Aufschrift ist leicht abgewandelt: »Stop the steal«.

Eine Erinnerung auf Rädern an die Tumulte, die sich gestern in der US-Hauptstadt zutrugen, als eine wütende Menge von Anhängern des abgewählten Präsidenten das Kapitol stürmte.

Amerika steht nach dem Eklat unter Schock – und gerät zugleich mächtig in Bewegung. Dinge, die vor 24 Stunden noch undenkbar schienen, reihen sich nun aneinander.

Trump kündigt eine geordnete Machtübergabe an, auch wenn er seine Lügen über den Wahlausgang wiederholt.

Womöglich wird er dazu keine Gelegenheit bekommen. Denn Kongressabgeordnete beider Parteien fordern seine sofortige Amtsenthebung.

Nachdem Twitter das Konto des Nochpräsidenten zunächst für zwölf Stunden gesperrt hatte, kündigt Facebook-Chef Mark Zuckerberg eine Blockade Trumps auf allen Plattformen seines Konzerns an.

Wir in Washington und anderswo im Land erleben gerade eine Demokratie im Ausnahmezustand. Um Ihnen einen Überblick über die Ereignisse zu geben, haben wir uns zu dieser Sonderausgabe des Newsletters: »Die Lage: USA 2021« entschieden. Lassen Sie mich Ihnen diese Artikel meiner Kollegen ganz ausdrücklich ans Herz legen:

Marc Pitzke, unser Korrespondent in Trumps Heimatstadt New York, beobachtet den Präsidenten seit vielen Jahren. Er sieht im Sturm auf das Kapitol das logische Finale der Trump-Ära und geht der Frage nach, ob er noch vor dem…