Irgendwann am Abend dieses 6. Januar war klar, dass die Dinge aus dem Ruder gelaufen sind. Spätestens, als der konservative Verband der herstellenden Industrie den Vizepräsidenten Mike Pence aufforderte, Donald Trump des Amtes zu entheben.

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Der Politologe Michael Werz arbeitet seit Jahren am »Center for American Progress«, einem demokratennahen, liberalen Thinktank in Washington D.C. Er ist Mercator Senior Fellow 2020-2021.

Der Präsident und seine Anhänger haben an diesem Abend einen politischen Sturm entfacht, der die USA auf Jahre hinaus verändern wird. »Wir werden niemals aufgeben«, rief der Präsident seinen Anhängern vor dem Weißen Haus zu. »Wir werden niemals nachgeben. Man gibt nicht nach, wenn es um den Diebstahl geht.«

Trumps Sohn Donald Jr. drohte kurz darauf jenen Kongressmitgliedern, die sich nicht an dem von Senator Ted Cruz und dem Fraktionsvorsitzenden Kevin McCarthy unterstützten Staatsstreich beteiligen wollten: »Wir kommen zu Euch und wir werden Spaß dabei haben. Ich hoffe, dass Sie weise abstimmen werden«.

Den schweren Ausschreitungen um das Kapitol waren Berichte von versteckten Rohrbomben im Washingtoner Stadtgebiet vorangegangen, weswegen Polizeiressourcen vom Abgeordnetenhaus abgezogen wurden. Befürchtungen, die Situation könnte eskalieren, hatte es dabei schon vorher gegeben. Bereits vor Tagen soll Washingtons Bürgermeisterin Muriel Bowser das Pentagon aufgefordert haben, Einheiten der Nationalgarde zur Verfügung zu stellen. Eine Anfrage, die offensichtlich von politischen Söldnern des Präsidenten blockiert wurde. 

Absurde, kaum vorstellbare Szenen

So konnte es dazu kommen, dass ein rechtsextremistischer Mob das Heiligtum der amerikanischen Demokratie stürmen konnte und Abgeordnetenhaus sowie Senat evakuiert werden mussten. Es folgten absurde, vorher kaum vorstellbare Szenen: Sicherheitsbeamte schützten Abgeordnete mit gezogenen Waffen, verbarrikadierten Büros und…