Es knallt vor dem Kapitol. Dann Rauch. Die Polizei schießt Tränengas in die Menschenmenge und rückt in voller Montur vor. Knüppel fliegen, Geschrei. Ein Mann blutet, ein anderer ist im Tränengas-Nebel heulend zusammengebrochen. Dazwischen wehen Flaggen, auf ihnen steht der Name »Donald Trump«.

Es sind Szenen wie in einem Bürgerkrieg, die sich in und vor dem amerikanischen Parlament abspielen. Ein Mob aus Unterstützern des amtierenden Präsidenten Donald Trump erstürmt den Sitz der beiden Kammern des Parlaments und versucht, die offizielle Ausrufung des neuen, rechtmäßig gewählten Präsidenten Joe Biden zu stören, ja, zu verhindern. Es wird Stunden dauern, bis die Polizei die Lage wieder unter Kontrolle hat und das Gebäude sichern kann.

Eigentlich ist die offizielle Ausrufung des Präsidenten durch den Kongress eine reine Formalie. Sie findet nach jeder Wahl im Januar statt und verläuft meistens völlig unspektakulär. Doch an diesem Tag ist alles anders. Die Sitzung muss plötzlich unterbrochen werden. Das Kapitol-Gebäude, dieses stolze, strahlend weiße Symbol der großen amerikanischen Demokratie, wird von dem wütenden Mob regelrecht entweiht.

»Wir sind wütend, verdammt«

Anhänger von Donald Trump setzen sich auf die Stühle der Abgeordneten im Parlament und schneiden Grimassen. Sie hämmern gegen die Tür eines Sitzungssaals, die Parlamentarier flüchten in ihre Büros und verriegeln die Türen. Es fällt ein Schuss durch Sicherheitsbeamte. Eine Trump-Anhängerin stirbt. Ein solches Chaos hat es hier noch nie gegeben, zumindest nicht, seit britische Soldaten im Krieg von 1812 das Kapitol-Gebäude in Brand setzten.

Kevin, 51, aus dem Bundesstaat Delaware ist einer derjenigen, die an diesem Tag bis ins Kapitol durchgedrungen sind. Er lief durch das Gebäude, schaute sich alles an. Zusammen mit anderen Protestlern, wollte er in den Sitzungssaal. Doch dann wurden sie von Sicherheitsbeamten mit gezückten Waffen zurückgedrängt.

Nach dem Sturm steht…