Als es besonders unangenehm wird auf dieser Pressekonferenz, schnauft Jens Spahn hörbar durch. Es geht jetzt um die Machtfrage, darum, wie viel der Gesundheitsminister im Kampf gegen die Coronakrise eigentlich noch zu sagen hat.

Am Vormittag hatte Kanzlerin Angela Merkel mehrere Kabinettsmitglieder zu einer Spitzenrunde gebeten. Neben Spahn waren auch Finanzminister Olaf Scholz, Wirtschaftsminister Peter Altmaier und Kanzleramtschef Helge Braun dabei.

Thema: die Corona-Impfungen. Eigentlich Spahns Aufgabe. Manche werten die Einberufung des Impfgipfels als Degradierung des 40-Jährigen. Wie angeschlagen ist sein Verhältnis zur Kanzlerin?

»Gut und vertrauensvoll«

Jens Spahn über sein Verhältnis zu Angela Merkel

Spahn steht vor seinem Pult im Gesundheitsministerium, seine Mundwinkel zucken, er hebt den Blick, senkt ihn wieder. »Wir können froh sein, mit Angela Merkel eine so erfahrene Bundeskanzlerin in dieser Pandemie, in dieser Krise zu haben«, sagt er. Man arbeite »gut und vertrauensvoll« zusammen.

Und überhaupt, diese Beratung mit Merkel und den Fachkollegen sei doch »eigentlich nur ein einfaches Abstimmungstreffen« gewesen.

Kleiner kann man die Kanzlerinrunde wohl kaum machen.

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Spahn, Kanzlerin Merkel

Foto: CLEMENS BILAN/POOL/EPA-EFE/Shutterstock

Seit Tagen schon steht Spahn wegen des schleppenden Impfstarts unter Beschuss. Ausgerechnet er. Schließlich war der Gesundheitsminister bislang einer der großen Stars dieser Pandemie. In den Ranglisten der Meinungsforscher ist Spahn einer der beliebtesten Politiker des Landes.

Spahn war es über Monate gelungen, sein Krisenmanagement gut zu verkaufen. In der Union gilt er mittlerweile sogar als möglicher Anwärter auf die Kanzlerkandidatur – und das, obwohl er sich offiziell beim bevorstehenden CDU-Parteitag nur als Armin Laschets Tandempartner bewirbt.

Kaum Impfstoff

Mit dem Beginn der Impfkampagne hätte Spahn erst recht punkten können. Es sollte nach Monaten…