Bei der Kandidatur für den Parteivorsitz der CDU lässt Jens Spahn seinem Parteikollegen Armin Laschet den Vortritt und tritt im Team mit ihm an. Hinter den Kulissen verfolgt der Bundesgesundheitsminister aber offenbar weitergehende eigene Ziele. Nach SPIEGEL-Informationen sondierte Jens Spahn zum Jahresende 2020 seine Chancen für eine Kanzlerkandidatur im kommenden Jahr.

Wie ein halbes Dutzend CDU-Mitglieder bestätigen, wandte sich Spahn in Telefonaten an Landtagsabgeordnete, Fraktionskollegen und Landesfunktionäre, um deren Haltung zu einer möglichen Kanzlerkandidatur von ihm zu ergründen, auch mit Hinweis auf seinen eigenen Umfragestatus als beliebtester Politiker Deutschlands.

Zuvor hatte Spahn nach SPIEGEL-Informationen bereits versucht, seinen Teampartner Laschet über Umwege zur Aufgabe der Kandidatur zu seinen eigenen Gunsten zu bewegen. Nicht nur junge Abgeordnete, auch Parteivize Volker Bouffier soll gegenüber Laschet die Idee eines möglichen Rollentauschs ins Spiel gebracht haben. Dieser lehnte jedoch ab.

Spahn selbst zeigte sich in mindestens einer internen Sitzung einer Gruppe von Unionsabgeordneten kurz vor Weihnachten noch offen für die Idee des Rollentauschs. Auf die Aufforderung einer Unterstützerin sagte er laut Teilnehmern, er werde darüber über Weihnachten noch einmal schlafen.

Ein Sprecher von Spahns Ministerium teilte mit: »Der Minister tauscht sich ständig mit Parteimitgliedern aus. Dabei geht es selbstverständlich auch um die Stimmung vor dem Parteitag, die Unterstützung für das Team mit Armin Laschet und die beste Aufstellung von CDU und CSU für das Wahljahr.«

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