Bund und Länder haben die geltenden Corona-Beschränkungen nicht nur bis Ende Januar verlängert, sondern noch weiter verschärft. Eine gute Entscheidung, zeigen Modellierungen. Denn beim bisherigen Kurs hätte es deutlich länger gedauert, bis die Infektionszahlen signifikant sinken. Allerdings zweifeln Experten, ob der angepeilte Zielwert von 50 Neuninfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen überhaupt ausreichend ist.

Die nun beschlossenen Maßnahmen gehen teilweise sogar über das hinaus, was während des ersten Shutdowns im Frühjahr galt. Wie damals sind private Treffen nur noch mit einer weiteren Person erlaubt, mit der man nicht zusammenlebt. Wer in einem Landkreis mit einer 7-Tages-Inzidenz von mehr als 200 lebt, darf sich zudem nur noch in einem Radius von 15 Kilometern um den Wohnort bewegen. Es sei denn, es gibt einen triftigen Grund, weitere Strecken zurückzulegen. Ausflüge gehören explizit nicht dazu.

Die 15 Kilometer haben sich laut Kanzlerin Angela Merkel in Sachsen bewährt. Der Radius sei im Allgemeinen ausreichend, um Lebensmittel einzukaufen oder zum Arzt zu gehen. Ziel sei es vor allem, Tagesausflüge zu unterbinden. Als Wohnort, machte Merkel noch mal deutlich, gilt nicht die Adresse, sondern der ganze Ort, in dem man lebt. Für Berliner hieße das, sie dürften sich in der ganzen Hauptstadt aufhalten. Aber eben nicht weit über die Stadtgrenzen hinaus.

Laut Beschluss sind aktuell mehr als 70 Kreise davon betroffen. Wie die Situation in Ihrer Region ist, zeigt diese Karte:

Lage angespannter, als gemeldete Zahlen nahelegen

»Ich begrüße die neuen Maßnahmen, hätte mir aber gewünscht, dass die 15-Kilometer-Regel schon ab einer Inzidenz von 100 gilt«, sagte Thorsten Lehr von der Universität des Saarlandes dem SPIEGEL. Sein Forschungsteam hat einen »Covid-19-Simulator« entwickelt, der den Verlauf der Pandemie in Deutschland vorherzusagen versucht. Lehr vergleicht die aktuelle Situation mit einem Marathon. »Bei Kilometer 30 tut es…