»Lasst mich wieder ganz von vorne beginnen«, seufzt Lehrer Sixths Gwero. »40 x 31 = ?«, schreibt er mit Kreide an die Tafel und dreht sich erwartungsvoll zu den Schülern um. Ein paar Hände gehen in die Höhe, doch die meisten Grundschüler schauen verstohlen auf die Holztische vor ihnen.

Zehn Monate lang haben sie nicht mehr hier gesessen, ihre roten Schuluniformen nicht mehr getragen. Die Redrose School in Kenias Hauptstadt Nairobi war – wie alle Schulen des Landes – auf Anweisung der Regierung seit dem 16. März geschlossen. Nur einzelne Abschlussklassen durften zwischenzeitlich in den Präsenzunterricht.

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Erster Schultag in der Redrose School Nairobi, Kenia. Viele Familien aus dem angrenzenden Slum Kibera schicken ihre Kinder hierher, die Privatschule ist weitaus besser als die heillos überfüllten staatlichen Schulen

Foto: Zakaria Ahmed / DER SPIEGEL

Lehrer Gwero fragt, wie der Alltag der Kinder während des Corona-Shutdowns ausgesehen habe. »Fernsehen schauen«, »Hausarbeit machen« – Schulaufgaben erwähnt niemand. Ein Junge meldet sich und sagt, er sei froh wieder hier zu sein. In Kenia herrscht zwar weiterhin eine nächtliche Ausgangssperre, doch Schulen und Kindergärten öffneten diese Woche wieder. Das befürchtete exponentielle Wachstum der Covid-Infektionen war in den vergangenen Monaten ausgeblieben, die offiziell gemeldeten Todesfälle liegen in Kenia bei knapp 1.700.

Alle Schüler an der Redrose School tragen eine Maske, gerade einmal 18 Kinder sitzen in dem Raum, wo normalerweise doppelt so viele Schüler Platz finden. Die meisten an einer eigenen Schulbank. Doch mit Covid-Schutzmaßnahmen hat das wenig zu tun; nur etwas mehr als die Hälfte der Schüler und Schülerinnen sind am ersten Schultag zurückgekehrt.

An seinem Schreibtisch im Erdgeschoss unterschreibt Schuldirektor Mark Barassa Quittungen für bezahlte Schulgebühren. Viele sind es nicht an diesem Tag. Die Redrose School ist eine…