Das Ziel, ein breites Portfolio an Impfstoffen zu beschaffen, habe man erreicht. Und auch die bestellte Menge »reicht aus«, sagte Mamer. Doch bei Fragen nach Vertragsdetails und internen Absprachen gibt sich die Behörde von Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU) zugeknöpft.

Im Europaparlament wächst daher die Unzufriedenheit. »Die EU-Kommission hält bisher alle Details über die Verhandlungen mit den Impfstoffherstellern geheim«, sagte Nicola Beer (FDP), Vizepräsidentin des EU-Parlaments, dem SPIEGEL. »Wenn die Kommission nicht sehr schnell – etwa in einer Sondersitzung des Gesundheitsausschusses – Transparenz herstellt, muss das Europaparlament einen Untersuchungsausschuss einrichten.«

Warum so wenige Impfdosen von BioNTech geordert?

Auch der Lenkungsausschuss, in dem die Kommission gemeinsam mit Vertretern der EU-Staaten über die Impfstoffstrategie entscheiden, sei eine »Black Box«, sagt Beer. »Es kann nicht angehen, dass das EU-Parlament, zu dessen Verantwortung die Kontrolle der Kommission gehört, nichts über die Vorgänge in dem Ausschuss erfährt«, sagt Beer.

Ihr Fraktionskollege Andreas Glück hatte bereits am 22. Dezember einen Fragenkatalog an die EU-Kommission geschickt. Glück, Arzt und Mitglied im Ausschuss für Umweltfragen, öffentliche Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, wollte wissen, wie sich die Kommission zu den Vorwürfen äußert, sie habe nicht ausreichend Impfstoffdosen von BioNTech/Pfizer und Moderna gekauft.

Glück verlangte auch eine vollständige Liste weiterer Hersteller, mit denen die Kommission Lieferungen vereinbart hat. Schließlich fragte er, ob Grund zur Sorge bestehe, »dass die EU ihre Bevölkerung weniger schnell und ausreichend mit Impfstoffdosen versorgen wird als die USA, Kanada und Großbritannien.«

Eine Antwort hat Glück bis heute nicht erhalten.

»Die EU-Kommission muss vollständige Transparenz herstellen«, sagt der baden-württembergische FDP-Politiker. Zusammen mit Beer will Glück nun noch einmal…