In Georgia ist die Zeit stehen geblieben. Zumindest auf dem Flugfeld von Dalton, einer Kleinstadt im Norden des US-Südstaats: Da tritt Donald Trump am späten Montagabend vor Tausende jubelnde Anhänger – und beharrt auf seiner Wiederwahl. Als sei es 2020.

»Ich hatte zwei Wahlen, beide habe ich gewonnen«, ruft er. »Bei der zweiten habe ich sogar viel besser abgeschnitten als bei der ersten.«

Neun Wochen nach seiner Niederlage tut Trump weiter, als habe er gewonnen. Sein erster Auftritt im neuen Jahr – und sein wohl letzter als Präsident, zumindest in dieser Form – läuft genauso ab wie Dutzende im vorigen Wahlkampfjahr: minutenlanger Jubel. Uralte Village-People-Hits. »USA! USA! USA!«

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Siegen um jeden Preis: Trump-Anhängerin am Montag in Georgia

Foto: BRIAN SNYDER / REUTERS

»Das war eine getürkte Wahl«, lügt Trump über die Präsidentschaftswahl vom November. »Viele korrupte Sachen sind da passiert.« Vor allem in acht Bundesstaaten wie Georgia, deren Verlust er unbeirrt bestreitet: »Ich werde sie alle noch gewinnen!«

Eigentlich ist Trump in Georgia, um für zwei Republikaner zu trommeln, die dort an diesem Dienstag bei Stichwahlen um die Mehrheit ihrer Partei im Senat kämpfen. Doch nur widerwillig wirbt er für Kelly Loeffler und David Perdue, die beiden Senatskandidaten. Den Großteil seiner fast eineinhalbstündigen, wirren Rede verwendet er lieber darauf, mit wilden Verschwörungstheorien über angeblichen Wahlbetrug der Demokraten eine alternative Realität heraufzubeschwören.

Eine, in der er wiedergewählt worden ist.

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»Wählt!« Neon-Werbung in Macon im US-Bundesstaat Georgia

Foto: MIKE SEGAR / REUTERS

Trumps Rede wirkt wie eine öffentliche Fortsetzung seines beispiellosen Wochenend-Telefonats mit Brad Raffensperger, dem republikanischen Innenminister und obersten Wahlaufseher von Georgia: Den hatte Trump am Samstag bedroht und bedrängt, das dortige Ergebnis…