Die schlechte Nachricht ging im vorweihnachtlichen Trubel vor Heiligabend beinahe etwas unter. Aus Südafrika und Großbritannien berichteten Forscher von bisher unbekannten Varianten des Sars-CoV-2-Erregers. Diese verbreiteten sich, so die ersten Hinweise, deutlich schneller als die bisherigen Exemplare des Erregers. Dass sich im Verlauf einer Pandemie durch Mutationen verschiedene genetische Versionen eines Virus bilden, überraschte die Experten nicht – wohl aber, wie infektiös die neuen Varianten waren. »In den vergangenen Monaten habe ich viel Zeit mit der Erklärung verbracht, dass man sich über die meisten dieser Mutationen keine Sorgen machen muss«, sagte der Bioinformatiker Richard Neher von der Universität Basel dem SPIEGEL. »Jetzt liegt die Sache aber etwas anders.«

Inzwischen sind mehr als zwei Wochen vergangen. Und auch wenn die Wissenschaftler viele Dinge im Detail noch nicht wissen, scheint eines klar: Die zunächst aus Großbritannien bekannte, mutierte Variante B.1.1.7 stellt Europas Pandemiebekämpfer vor massive Herausforderungen. Im Vereinigten Königreich lässt sich das bereits exemplarisch erkennen. Dort gehen die Infektionszahlen gerade ungeachtet der Einschränkungen des öffentlichen Lebens durch die Decke. Tag um Tag wurden zuletzt Negativrekorde vermeldet, mit jeweils mehr als 50.000 Neuinfizierten.