Schweizer Kriminalromane zeichnet eine Besonderheit aus: ein anderes Zeitmaß. Ermittlungen gehen da schon mal unkonventionelle Wege, weniger schnell und effektiv. Die Werke von Friedrich Dürrenmatt, dessen 100. Geburtstag in der eidgenössischen Alpenrepublik 2021 groß gefeiert wird, sind noch eine Spur spezieller.

Der berühmte Schweizer Schriftsteller erfand den schwerfälligen Berner Kommissar Bärlach, einen verschlossenen, gerissenen Typen, von schwerer Gastritis geplagt, der bei kriminalistischen Ermittlungen eher seinem eigenen Rechtssystem folgt. Hollywood-Regisseur John Ford plante, den Dürrenmatt-Roman „Der Richter und sein Henker“ zu verfilmen, aber daraus wurde nichts. Dieses Buch hat, genau wie alle anderen Dürrenmatt-Werke, einen zeithistorischen Hintergrund. Der Aufstieg der Nazis und die Machtergreifung Adolf Hitlers 1933 haben im Roman auch in der neutralen Schweiz ihren Nachhall.

Hollywood-Star Ingrid Bergman im Film „Der Besuch“ („La Vendetta della signora“, 1963)

Im Roman beschreibt Dürrenmatt seinen sperrigen Helden so: „Bärlach hatte lange im Ausland gelebt und sich in Konstantinopel und dann in Deutschland als Kriminalist hervorgetan. Zuletzt war er der Kriminalpolizei Frankfurt am Main vorgestanden, doch kehrte er schon dreiunddreißig in seine Vaterstadt zurück. Der Grund seiner Heimreise war nicht so sehr die Liebe zu Bern, sondern eine Ohrfeige gewesen, die er einem hohen Beamten der neuen Regierung gegeben hatte (…).“

Ein satirischer Querdenker

Als Pfarrerssohn wurde Friedrich Dürrenmatt am 5. Januar 1921 geboren, im Schweizer Emmental. Die abgeschiedene Dorfwelt von Stalden tauchte später als literarische Kulisse vieler seiner Stücke auf: Erzählungen, Novellen, Kriminalromane, Hörspiele – in der Hauptsache aber schrieb er Theaterstücke.

Nicht alles, was er zu Papier brachte, wurde über die Grenzen der Schweiz hinaus bekannt. Dürrenmatt galt hier als satirischer Humorist und bissiger Zeitkritiker, der sich gern mit Obrigkeit und…