Nach dem schweren Angriff auf zwei Dörfer in Niger hat die Regierung militärische Verstärkung für die betroffene Grenzregion zu Mali angekündigt. Ziel sei es, permanent eine Kompanie in der betroffenen Provinz zu stationieren, erklärte der zuständige Kommandant Mamane Sani.

Er hatte gemeinsam mit Premierminister Brigi Rafini eines der betroffenen Dörfer nahe der Grenze zu Mali besucht. Nach dem Fund zweier weiterer Leichen im benachbarten Buschland erhöhte sich die offizielle Zahl der Toten mittlerweile auf 102, wie das Innenministerium mitteilte. Rund 30 Menschen wurden zudem verletzt, manche von ihnen schwer.

Der Überfall ereignete sich am Samstag in den Dörfern Tchombangou und Zaroumdareye. Bisher hat sich keine Gruppierung zu dem Angriff bekannt. Uno-Generalsekretär António Guterres verurteilte den Überfall und forderte eine umgehende Bestrafung der Verantwortlichen.

Laut dem Uno-Flüchtlingshilfswerk UNHCR mussten nach den koordinierten Attacken auf die Dörfer einige der Verwundeten zur Behandlung rund hundert Kilometer in benachbarte Städte transportiert werden. Mehr als tausend Menschen seien nun – meist zu Fuß – auf der Flucht. Das Flüchtlingshilfswerk kündigte an, einen Betreuungsstützpunkt für die Betroffenen aufzubauen.

Der Staat hat vielerorts kaum Einfluss

In Niger und den anderen Ländern der Region sind Terrorgruppen aktiv, die al-Qaida oder dem »Islamischen Staat« (IS) die Treue geschworen haben. Die Regierung hat außerhalb der Städte aber wenig Kontrolle, was nicht nur dschihadistische Gruppen, sondern auch kriminelle Netzwerke ausnutzen.

Der Niger ist eines der wichtigsten Transitländer für afrikanische Migranten, die über das Mittelmeer die EU erreichen wollen. Zusammen mit Mali, Mauretanien, dem Tschad und Burkina Faso ist der Niger Teil der G5-Sahel-Gruppe, die Terrorismus bekämpfen will.

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