1. Mit klarem Kopf in die Impf-Warteschlange

Natürlich gibt es gute Argumente dafür, dass sich viele Menschen gerade schrecklich aufregen über angeblich nicht rechtzeitig gelieferte Impfstoffe und das zögerliche Anlaufen des Impfens in Deutschland überhaupt – die täglich gemeldeten Zahlen von Corona-Neuinfektionen und am Virus Gestorbenen zum Beispiel. Ich habe am Wochenende mit einem befreundeten Arzt telefoniert, der an einem Klinikum in Süddeutschland viele ältere Risikopatienten behandelt. Aus diesem Grund gehörte er zu den ersten Medizinern, die sich in seinem Haus den Impfstoff der Unternehmen Biontech und Pfizer spritzen lassen durfte. Er sprach von seiner Erleichterung darüber, dass der Impfstoff ihn höchstwahrscheinlich in einigen Tagen schützen werde. So könne er weitgehend ohne Angst vor Ansteckung arbeiten. Und er sagte, dass er die aktuelle Empörung mancher Menschen über vorgebliche Fehler der Politik beim Bestellen und Verteilen der Impfungen für stark übertrieben halte: »Ich finde, alle Verantwortlichen bemühen sich redlich darum, dass wir bald in ganz Deutschland ausreichend Impfstoff haben werden«, sagte mein Medizinerfreund.

Einen ähnlichen Eindruck hat auch unser Kolumnist Nikolaus Blome, der mit seinen Ansichten oft provoziert, heute aber äußerst gelassen und überzeugend mit Zahlen argumentiert. »Es ist gewiss ärgerlich, dass Deutschland aktuell womöglich langsamer impft als andere Staaten und mancherorts der Nachschub nicht in den erhofft üppigen Mengen ankommt«, schreibt Blome. »Aber wenn die Bundesregierung nicht gelogen hat, waren am Jahresende rund 1,3 Millionen Impfdosen an die Bundesländer ausgeliefert, doch mit Stand Sonntag, 3.1., erst knapp 240.000 davon verbraucht.« Es sehe nicht so aus, als würde in ganz Deutschland massiv Impfstoff fehlen, »die beklagten Verzögerungen müssten rasch aufzuholen sein.« Statt sich über die Politik insgesamt, die EU oder den Bundesgesundheitsminister zu empören, sollten sich die…