Tomatendosen waren in Neapel mal ein ganz großes Ding. Der Konservenhersteller Cirio war einst der bedeutendste im gesamten Mittelmeerraum. Alte Werbeposter zeugen noch vom Stolz der Firma, mit gemalten Tomatensträuchern vor dem rauchenden Vesuv. Zugleich erzählen sie die Geschichte eines frühen Start-ups. Von einem 20-jährigen Gründer namens Francesco Cirio, der ab 1856 verderbliches Gemüse und Obst mit einer neuen Einmachmethode haltbar machte und damit die Märkte revolutionierte.

Die Erfolgsgeschichte von Cirio soll sich nun wiederholen – und zwar gleich hundertfach. Auf dem Gelände der alten Konservenfabrik entsteht gerade ein kleines Silicon Valley. Gemeinsam mit der knapp 800 Jahre alten neapolitanischen Universität Federico II. bildet der US-Konzern Apple hier jedes Jahr 400 Software-Entwickler aus. Direkt nebenan hat sich zudem das Gründerzentrum »Campania NewSteel« angesiedelt, das junge Start-ups betreut.

»Wir haben unter der De-Industrialisierung gelitten«, sagt Mariangela Contursi, die Generaldirektorin des Gründerzentrums. »Jetzt bauen wir hier ein neues Ökosystem auf.«

Start-ups statt Schwerindustrie? Für Neapel, das bislang vor allem für seine Camorra- und Müllskandale berüchtigt ist, wäre das eine willkommene Entwicklung. Und es wäre ein Hoffnungsschimmer für die gesamte Region.

Der Coup des Giorgio Ventre

Der Süden Italiens, das sogenannte Mezzogiorno, ist seit Generationen vom reichen Norden abgehängt. Die Arbeitslosigkeit ist hier höher, die Einkommen sind niedriger, der Bildungssektor ist schlechter, und das Gesundheitswesen ist desolater als in den entwickelten Gebieten der Toskana oder der Lombardei. Desillusionierte Süditaliener suchen seit Langem ihr Glück im Norden. Im Grunde ist es noch wie 1960, als Luchino Visconti diese Dynamik in seinem Film »Rocco und seine Brüder« thematisierte. Etliche Versuche, das Nord-Süd-Gefälle zu lindern, sind gescheitert.

Entsprechend groß war die Überraschung, dass sich Apple vor etwa…