Als er vor dem Siegerpokal stand, dieser gewaltigen „Sid Waddell Trophy“, und dabei möglicherweise an die 500.000 britischen Pfund Preisgeld dachte, da wurde der neue Weltmeister dann doch für einen Moment demütig. Gerwyn Price aus Wales, ehemals Rugby-Spieler, hatte in seinem ersten WM-Finale die Partie gegen Gary Anderson dominiert – vorläufiges Ende eines eher lautstarken Weges in die Dart-Szene. Vor gut sieben Jahren war Price in den Sport mit den Pfeilen eingestiegen. Nun ist der Sportler mit dem Spitznamen „The Iceman“ am Ziel.

Mit der Trophäe: der neue Weltmeister Gerwyn Price

„Ich kann die Doppel-Sechs“

Ein Anruf am Tag danach in Saarwellingen bei dem Mann, der für die deutsche Darts-Szene bei der WM in London ein neues Kapitel aufgeschlagen hatte. „Na klar, ich habe das Finale im Fernsehen geguckt, da bin ich dann auch ein Fan wie jeder andere“, sagt Gabriel Clemens, der es als erster deutscher Spieler überhaupt ins WM-Achtelfinale  gebracht hatte. Ein großer Erfolg. Am Morgen nach dem TV-Finale hat der 37-jährige Clemens schon wieder zwei Stunden trainiert, nach dem Interview wird es weitergehen. Der erste Ärger über das Ausscheiden in London ist inzwischen verraucht. „Verlieren tut keiner gern“, sagt Clemens dennoch. „Aber wenn mir vorher jemand gesagt hätte, du kommst ins Achtelfinale, das hätte ich sofort unterschrieben.“ Beim Training legt er aber kein besonderes Augenmerk auf die Fertigkeit, die ihn in London in entscheidenden Momenten im Stich ließ: „Ich weiß, dass ich die Doppel-Sechs [Treffer auf den äußersten Ring der Dartscheibe über der Ziffer Sechs – Anm. d. Red] kann.“

Der beste Deutsche: Gabriel Clemens aus dem Saarland

Der Provokateur

Der neue Weltmeister Gerwyn Price wirkt wie für den Sport geschaffen, ein Prototyp: als Showman, der Buhrufe auch mal anzieht, wenn er sich nach guten Würfen feiern lässt, die Konzentration seines Gegners stört und mit den Emotionen des Publikums spielt. Dem ruhigen Saarländer…