John Caputa hatte einen Traum. Der Immobilienunternehmer aus Chicago gründete 1967 eine neue Siedlung im Süden des US-Bundesstaats Texas. Polnische Einwanderer sollten dort in der Einsamkeit leben, nur durch ein von Seevögeln bewohntes Gebiet vom Rio Grande getrennt, dem Grenzfluss zu Mexiko. Kennedy Shores, so hieß der Ort, zählte zum Start etwa 30 Häuser. Trinkwasser bekamen sie per Tankwagen aus der nächstgelegenen Stadt Brownsville. Die Fahrt dauert pro Richtung gut eine halbe Stunde.

Dass hier irgendwo im Nirgendwo ein halbes Jahrhundert später die Zukunft der Raumfahrt entwickelt werden würde, daran war damals gar nicht zu denken. Kennedy Shores war abgelegen, aber es war schön. Endlose Sandstrände und die warmen Wasser des Golfs von Mexiko, nur einen Steinwurf von den Häusern entfernt, versprachen den Bewohnern Entspannung und fette Beute beim Fischen.

Außerdem versprachen sie Gefahr. Das zeigte sich schon im September 1967. Da bezog Hurrican »Beulah« seine verheerende Wucht aus der Energie ebenjener warmen Gewässer. Der Ort wurde vom Wüten des Wirbelsturms schwer in Mitleidenschaft gezogen.

Die Siedlung erholte sich nur langsam von dem Schlag. Auch ein Namenswechsel – im Jahr 1975 hatte der damalige Bürgermeister Stanley Piotrowicz den Ort in Kopernik Shores umfirmiert, in Erinnerung an den Astronomen Nikolaus Kopernikus – brachte keinen Aufschwung. Andererseits starb die Siedlung auch nie aus. Ein, zwei Hände voll Sonnensucher lebten gern hier, genossen die Einsamkeit der riesigen Dünen und die Weite des Meeres.

Irgendwann wurde der Ort wieder umbenannt, sonst passierte nicht viel. Boca Chica Village hieß die Siedlung nun, vom spanischen »kleiner Mund«. Die Dinge änderten sich ab dem Jahr 2014, zunächst aber nur langsam. Das private Raumfahrtunternehmen SpaceX des Unternehmers Elon Musk hatte bekannt gegeben, bei Boca Chica den South Texas Spaceport zu errichten. Das Kontrollzentrum sollte im Ort selbst untergebracht werden.

Die Idee: Das…