Die Richterin begründete ihre Entscheidung mit dem psychischen Gesundheitszustand von Julian Assange und den Haftbedingungen,
die ihn in den USA erwarten würden. Es sei damit zu rechnen, dass er sich in Isolationshaft das Leben nehmen werde.
Im Fall einer Verurteilung hätten ihm in den USA bis zu 175 Jahre Haft gedroht. Die USA werfen dem 49-Jährigen unter anderem Verstoß gegen ein Spionagegesetz vor.

Doch auch mit dem jüngsten Urteil gegen eine Auslieferung dürfte sich die endgültige Entscheidung über Assanges Schicksal weiter hinziehen, da Revision möglich ist und der Fall letztlich bis vor den Obersten Gerichtshof in Großbritannien gehen könnte. Die USA kündigten bereits an, in Berufung zu gehen. 

Mit Jubel und Begeisterung haben Anhänger von Assange auf die Gerichtsentscheidung reagiert. Vor dem Gerichtsgebäude in London sprangen seine Fans vor Freude in die Luft. Dutzende hatten in Sprechchören „Freiheit für Julian Assange“ gefordert.

Staatsfeind und Held 

Der gebürtige Australier hatte über seine Enthüllungsplattform Wikileaks Hunderttausende geheime US-Berichte und Diplomatendepeschen veröffentlicht, die er von sogenannten Whistleblowern bekam. US-Ermittlern gilt Assange damit als Staatsfeind. Nach Auffassung seiner Anhänger ist er dagegen ein Held, der Machtmissbrauch aufgedeckt hat.

Um einer Auslieferung zu entgehen, hatte er sich in die Botschaft Ecuadors in London geflüchtet und dort sieben Jahre gelebt, bevor ihm 2019 das Asyl entzogen wurde. Daraufhin wurde er von den britischen Behörden festgenommen und kam in ein Londoner Hochsicherheitsgefängnis.

bri/qu (dpa, afp, epd)