»We will be back«, hatte Joe Biden auf der Münchner Sicherheitskonferenz Anfang 2019 versprochen und meinte damit in erster Linie Amerikas unverzichtbare Führungsrolle in internationalen Foren.

Weder die transatlantische Zusammenarbeit noch der Multilateralismus gehörten unter Präsident Donald Trump zur außenpolitischen Prioritätenliste Washingtons. Der Rückzug aus dem Pariser Klimagipfel oder dem Iran-Abkommen, Zweifel an der Nato – das waren keine Marginalien, sondern Entscheidungen und Äußerungen, die sowohl Betriebsstörungen im transatlantischen Verhältnis wie auch grundsätzlich andere Orientierungen offengelegt haben.

Auch an der öffentlichen Meinung sind diese Differenzen nicht spurlos vorbeigegangen: Nach aktuellen Umfragen halten nur noch gute 14 von Hundert der in Deutschland Befragten die USA für die einzige zuverlässige Führungsmacht in der Welt und noch weniger bezeichnen Amerika als den besten Freund Deutschlands.

Wenn sich aber heute – noch vor der Amtseinführung des neuen US-Präsidenten – in Washington der 117. Kongress konstituiert, dann verbindet sich damit die ermutigende Erfahrung, dass sich die Parlamente trotz mancher wechselseitiger Enttäuschungen als krisenresistente Kommunikationskanäle bewährt haben.

Der US-Kongress hat sich 2019 mehrfach zum transatlantischen Bündnis bekannt und die Absicht des Weißen Hauses zum unilateralen Rückzug aus der Nato konterkariert. Nancy Pelosi, die Sprecherin des Repräsentantenhauses, führte im Februar 2019 eine Delegation des Kongresses in Europa an und bekräftigte das Engagement der USA für die transatlantischen Beziehungen.

Demonstrativ hat das Repräsentantenhaus den Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg im April 2019 eingeladen, eine Rede in einer gemeinsamen Sitzung beider Häuser zu halten. Auch beim angekündigten Abzug US-amerikanischer Truppen aus Deutschland fungiert der Kongress als Korrektiv in den transatlantischen Beziehungen, wie der Beschluss zum Verteidigungshaushalt im…