Die Bundesbürger treiben derzeit vor allem zwei Sorgen um: der Klimawandel und die Wirtschaft. Jeweils ein Viertel der Deutschen hält diese beiden Themen für besonders drängend, wie Umfragen zeigen.

Klima und Wirtschaft – das klingt wie die Agenda einer künftigen schwarzgrünen Bundesregierung. Tatsächlich könnte es nach der Bundestagswahl im Herbst erstmals so weit kommen. Ein Söder-Habeck-Merz-Baerbock-Spahn-Hofreiter-Röttgen-etceterapepe-Bündnis könnte die Regierungsgeschäfte übernehmen und neue Akzente setzen. Es wäre das größte heute absehbare Wirtschaftsereignis des noch jungen Jahres. (Viele weitere, bislang unabsehbare Ereignisse werden kommen, soviel ist sicher.)

Nebenbei geht es auch um die Frage, wie das Wirtschaftssystem künftig aussehen soll. Die Debatte darüber ist schon gegen Ende des vergangenen Jahres warmgelaufen. Und je nachdem, welche Protagonisten die Union künftigen anführen werden, könnte sie zu einem bestimmenden Thema des Wahlkampfs werden.

Es geht um grundlegende Fragen: Muss das »unglaubliche Schwungrad des Kapitalismus und der Finanzmärkte« gebremst werden, wie CDU-Senior Wolfgang Schäuble kürzlich gefordert hat? Sollten die Entfaltung des Unternehmertums und die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit im Zentrum der Bemühungen stehen, wie der CDU-Vorsitzkandidat Friedrich Merz gern betont? Braucht es hunderte Milliarden Euro schwere Staatsprogramme für den »sozial-ökologischen« Umbau der Wirtschaft, um die Wirtschaft »vom Kopf auf die Füße zu stellen« (Grünen-Vorfrau Annalena Baerbock)? Muss Deutschland die Kreditfinanzierung rasch zurückfahren und schon bald wieder zur »Schuldenbremse« zurückkehren?

Kurz: Braucht es mehr Staat und weniger Markt – oder umgekehrt? Oder sollte es womöglich um ganz andere Fragen gehen?

Verunsicherung, Aggression, Egoismus

Am Ende des Corona-Jahres 2020 offenbarte sich in Umfragen ein tiefes Sicherheitsbedürfnis: Dreiviertel der Befragten machten sich Sorgen um den Zustand der…