Manchmal kann es in der Politik hilfreich sein zu pokern – das weiß man gerade in Brüssel. Allein im Dezember hat man dort zuerst die abtrünnigen Mitgliedstaaten Polen und Ungarn in den Haushaltsverhandlungen ausgeblufft und anschließend Großbritanniens Premier Boris Johnson beim Ringen um eine Post-Brexit-Vereinbarung abblitzen lassen. Wichtigstes Mittel in solchen Verhandlungen ist das spannungstreibende Zögern bis zur letzten Minute. Am Ende geht dann trotzdem alles irgendwie gut aus. Normalerweise.

Beim Thema Corona-Impfstoff hätte die EU das Pokern besser sein lassen. Im Sommer, als die Infektionszahlen vergleichsweise niedrig waren und es darum ging, genügend Covid-19-Impfstoff zu bestellen für die Zeit, in der die Pandemie wieder schlimmer würde, haben die 27 Mitgliedstaaten zwar die weise Entscheidung getroffen, gemeinsam für alle zu ordern, statt jedes Land in den Einzelkampf zu schicken. Was danach passierte, war allerdings fatal: In den Verhandlungen mit den Impfstoffherstellern hat sich die EU verzockt. Ein Fehler, der jetzt im Winter, auf dem Höhepunkt der Pandemie, nicht nur viele Menschenleben kosten wird, sondern auch sehr viel Geld. Und dass, obwohl die EU mit ihrem Gepoker eigentlich Geld sparen wollte – so zumindest muss man deuten, was man bisher weiß.

Waren Biontech und Moderna der EU zu teuer?

Zunächst die Fakten: Knapp zwei Milliarden Dosen Impfstoff hat die EU seit dem Sommer bei sechs Herstellern bestellt. Das würde theoretisch locker reichen – auch wenn jeder EU-Bürger zwei Impfstoffdosen verabreicht bekäme, wie es bei den meisten Impfstoffen vorgesehen ist. Doch zum einen sind längst nicht alle Impfstoffe zulassungsreif. Die Vakzine des französischen Pharmariesen Sanofi etwa, von dem die EU 300 Millionen Dosen geordert hat, wird wegen diverser Rückschläge frühestens Ende 2021 fertig. Viel zu spät, um in der aktuell dramatischen Situation mit europaweit tausenden Covid-Toten pro Tag zu helfen.

Zum anderen war die EU…