Anders als etliche Kritiker der Impfstrategie von EU und Bundesregierung hält der Virologe Christian Drosten es nicht für möglich, das Vorgehen rückblickend einzuordnen. »Es ist jetzt praktisch unmöglich, das im Nachhinein zu bewerten«, sagte er der »Berliner Morgenpost«.

Zuvor hatten sich Kritikerinnen und Kritiker aus der Wissenschaft und Politik zu Wort gemeldet. So sprach die Leopoldina-Forscherin Frauke Zipp mit Blick auf die Bestellstrategie von »einem groben Versagen der Verantwortlichen«. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder bemängelte, die EU habe zu wenig Impfstoff bestellt und auf die falschen Hersteller gesetzt.

Drosten sagte, die Beschaffung sei eine komplexe Angelegenheit: »Man musste den Impfstoff mit Monaten Vorlauf bestellen – und wusste zu dem Zeitpunkt gar nicht, ob der betreffende Impfstoff auch funktionieren würde.«

Der Wissenschaftler verwies darauf, dass in Großbritannien der AstraZeneca-Impfstoff bereits zugelassen sei. »Da sollte man in der EU ganz schnell hinterherkommen, denn dieser Impfstoff kann auch in normalen Arztpraxen geimpft werden. Bei diesem Impfstoff hat man nicht die besondere Kühlpflicht.«

Der Wissenschaftler erwartet in der Coronakrise für 2021 herausfordernde erste sechs Monate. »Ich schaue schon optimistisch auf das neue Jahr, aber ich glaube, dass die erste Jahreshälfte sehr kompliziert werden wird«, sagte Drosten. Es werde sehr viele Diskussionen beispielsweise um Lockerungen oder die Impfung geben.

»Die Zahlen gehen derzeit nicht nach unten«

»Wir werden in eine Situation kommen, wo wir große Teile der Risikogruppen geimpft haben und es dann Kräfte geben wird, die sagen, dass es jetzt keinen Grund mehr gibt für Einschränkungen«, sagte der Forscher. Das allerdings werde eine Fehleinschätzung sein. Denn: »Wir dürfen grundsätzlich keine sehr hohen Inzidenzen zulassen. Auch nicht bei den Jüngeren.«

Er gehe davon aus, dass erst ab der zweiten Jahreshälfte eine Entspannung eintreten könnte –…