In kaum einer Branche war im vergangenen Jahrzehnt der Fortschritt so immens wie in Pharma und Biotechnologie. Hierzulande war davon lange nicht viel zu spüren. Unter den zehn größten Pharmakonzernen der Welt ist kein einziger aus Deutschland. Kaum eine Branche wird von deutschen Banken und Geldgebern so verschmäht.

Das scheint sich nun zu ändern, vor allem dank eines einzigen Unternehmens: Die Forscher von Biontech aus Mainz entwickelten weltweit den ersten regulären Corona-Impfstoff. Viele hoffen nun, dass diese Erfolgsgeschichte nun Beweis und Blaupause zugleich sein kann, um die ganze Branche in Deutschland anzuschieben.

Immerhin hat offenbar die Politik die Biotechnologie durch Corona schätzen gelernt. Der Staat förderte nicht nur Biontech, sondern übernahm im Juni vergangenen Jahres für 300 Millionen Euro knapp 23 Prozent an dem Tübinger Forschungsunternehmen Curevac, das ebenfalls an einem Impfstoff arbeitet. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) sprach von einer »hohen industriepolitischen Bedeutung« der Beteiligung.

Wagniskapitalgeber gefragt

Wichtiger aber wird sein, dass private Investoren sich engagieren. Neue Biotechnologie ist aufwendig und entsprechend teuer. Es braucht zweistellige Millionensummen, um einen Forschungsansatz zu erproben. Und mehrere Hundert Millionen Euro, um daraus ein Produkt, ein Medikament zu machen. Soviel Geld gibt es nur von Wagniskapitalgebern. Genau jene, die in Deutschland meist einen Bogen um die Biotechnologie machen.

Die weit nach oben geschossenen Börsenkurse von Biontech und Curevac wirken dabei sicher motivierend. Hinzu kommt, dass sowohl in Mainz als auch in Tübingen nicht nur an einem Impfstoff, sondern an einer neuen technologischen Plattform geforscht wird.

Funktioniert sie, würde das die Medizin revolutionieren. Die erste Riege der Unternehmen, die daraus Therapien entwickelt, könnte zu globalen Konzernen aufsteigen. Biontech-Gründer Ugur Şahin hat sich das zumindest vorgenommen. Er will »ein…