Das gefürchtete Brexit-Chaos haben die Logistikunternehmen schon kurz vor dem Brexit-Vollzug erlebt. Am Ärmelkanal, der Scheide zwischen Großbritannien und dem Kontinent, regierte in der vorletzten Dezemberwoche das Chaos. Lastwagen stauten sich in schier endlosen Schlangen vor dem Hafen von Dover und auf dem Gelände eines stillgelegten Flughafens. Viele Fahrer schafften es nicht mehr vor Weihnachten nach Hause. Kontinentaleuropa hatte kurzerhand dicht gemacht, als bekannt wurde, dass sich eine mutmaßlich hoch ansteckende Coronavirusmutation in Britannien breitgemacht hatte.

Wiederholen sich diese Superstaus im Januar, nun da Großbritannien aus dem Binnenmarkt und der EU-Zollunion ausscheidet? Der eigentliche Brexit ist schon fast ein Jahr her. Aber jetzt wird für alle sichtbar, was er bedeutet. Es wird Zoll- und Warenkontrollen geben, zumindest auf dem Weg hinein ins vereinte Europa. Und so ist schon jetzt klar: 2021 wird wieder strapaziös für die Logistiker. Geprägt vom Brexit und zusätzlich gebremst durch das Virus.

Insgesamt haben Schiffer, Trucker und Eisenbahnerinnen, Flugzeugkapitäninnen und Paketboten, Disponenten und Managerinnen Großes geleistet im abgelaufenen Jahr. Sie mussten liefern, inmitten diverser Lockdowns im Frühjahr, Sommer, Herbst und Winter. Schutzkleidung, Lebensmittel, Notebooks oder Autoteile rund um den Globus transportieren, bis vor Fabriktore und Haustüren. Milliarden Menschen versorgen, multinationale Lieferketten instand halten. Sicherstellen, dass Wirtschaft und Alltagsleben in halbwegs geregelten Bahnen weiterlaufen.

Und: Sie haben fast immer geliefert.

Randvolle Containerschiffe

Am Anfang sah es nicht danach aus. Im Januar standen plötzlich zentrale Häfen in China still, im März machten europäische Staaten reihenweise ihre Grenzen dicht, selbst zu den befreundeten Nachbarländern. Kurzzeitig schien alles blockiert. Aber die Chinesen starteten bald wieder durch, die Europäer einigten sich unter Führung der EU schnell auf freie…