Nur wenige Branchen hat die Coronakrise derart in Existenznot gebracht wie Hotels, Kneipen und Restaurants. Denn nicht nur die Stammgäste fehlten im vergangenen Jahr, sondern auch die Touristen aus aller Welt. Einer Umfrage zufolge lagen in Deutschland die durchschnittlichen Umsatzverluste der Branche allein im ersten Halbjahr 2020 bei rund 60 Prozent. Der Höhepunkt der Umsatzeinbußen wurde im April mit Verlusten in Höhe von 86,8 Prozent erreicht.

Die Lockerungen im Sommer sorgten zwar wieder für eine gewisse Belebung – doch unter anderem die Abstandsvorschriften für Tische und Sitzgruppen dämpften die Dynamik nachhaltig. Der Lockdown light ab Anfang November und der drastischere ab Mitte Dezember schließlich verhagelten jede Hoffnung auf einen versöhnlichen Jahresabschluss. Die in den Sommerprognosen hochgerechneten Jahresverluste in Höhe von gut 50 Prozent erscheinen im Rückblick wie ein schöner Traum.

»Kneipen sind doch schnell eröffnet«

So verdanken viele Gastronomen ihr Überleben den staatlichen Überbrückungshilfen. Für den November und Dezember standen sogar 75 Prozent des monatlichen Vorjahresumsatzes in Aussicht. Ein großer Teil der Anträge steckte Ende Dezember allerdings noch in den Mühlen der Bürokratie. Mit der Auszahlung der kompletten Summen ist wohl erst ab Januar zu rechnen. Die Kosten für Pacht und Kredite laufen derweil weiter. 

Ökonomen wie der Wirtschaftsweise Lars Feld halten großzügige Hilfen dennoch nicht für den richtigen Weg. »Gerade im Gastrobereich funktioniert die kreative Zerstörung am ehesten: Eine Kneipe ist doch schnell neu eröffnet, wenn es wieder geht«, sagte er dem »Handelsblatt«.

Sollten Feld und auch andere Beobachter Recht behalten, kann das neue Jahr nur besser werden. Denn generell geht es nach einem tiefen Absturz oft steil nach oben – und die Aussicht auf Massenimpfungen in Deutschland könnten die Grundlage dafür bieten.

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