Für Deutschlands Banken verlief 2020 beinahe bizarr: Endlich einmal eine Krise, die nicht auf ihrem Mist gewachsen war. Staatliche Finanzspritzen wurden recht zügig an darbende Firmen durchgeleitet, begleitet von patriotischem Pathos und der wohligen Gewissheit, sich als Helfer in der Not beweisen zu können. Insbesondere für die Deutsche Bank war es eines der seltenen Jahre, in denen sie keinen Chef- oder Strategiewechsel zu verkünden hatte; sogar ihre Aktie notiert heute höher als zu Jahresbeginn 2020. Für die Commerzbank verlief das Jahr turbulenter. Sie musste nach einer vom Bund stillschweigend tolerierten Aktionärsrevolte ihren Vorstands- sowie ihren Aufsichtsratschef hinauswerfen.

So wird es 2021 nicht weitergehen. Das neue Führungspersonal der Commerzbank wird ein bretthartes Sparprogramm auflegen und Tausende Mitarbeiter entlassen; dass hernach alles besser ist, daran glaubt indes kaum jemand – sinken die Kosten, gehen meist auch Erträge und damit Gewinn flöten. Die Deutsche Bank, auch das ist absehbar, dürfte ihre Geschäftsziele verfehlen, sollte im Investmentbanking, mehr denn je die wichtigste Sparte, nicht noch ein Wunder geschehen.

Jahr der Bad Banks?

Über allem aber steht ein Problem, auf das sich auch Sparkassen und Volksbanken einstellen: Kreditausfälle, die den Gewinn, sofern überhaupt vorhanden, verhageln und das Eigenkapital aufzehren. Denn dass die Pandemie und die Jahrhundertrezession ohne Folgen für die Kreditbücher bleiben, glaubt niemand.

Bislang haben deutsche Kreditinstitute nur wenig Vorsorge getroffen für den Fall massenhafter Unternehmenspleiten und Darlehensausfälle. Beides aber wird kommen. Spätestens dann aber könnte die Wirtschafts- zur Finanzkrise werden. Schon wird auf europäischer Ebene über das Comeback staatlicher Bad Banks getuschelt – Bilanz-Mülleimer, in denen die Bank faule Kredite verschrotten können. Im Jahr der Bundestagswahl könnte das den Steuerzahler erneut auf die Palme treiben.

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