»Wenn Sie einen Namen brauchen, dann nennen Sie mich Devrim« – so lautet eine der ersten Nachrichten, die sie oder er schreibt. Denn den türkischen Namen Devrim können sowohl Männer als auch Frauen tragen. »Wie sie sich vorstellen können, fühlt man sich nicht sicher, in einem Land, indem kritische Stimmen offen bedroht und strafrechtlich verfolgt werden«, begründet Devrim den Wunsch, anonym bleiben und nicht einmal das Geschlecht offenbaren zu wollen. Dabei scheint das Anliegen harmlos, fast unpolitisch.

Vor mehr als drei Jahren hat Devrim den Twitteraccount »Cirkin Istanbul« (»Hässliches Istanbul«) erstellt. Dort werden seither Beispiele von Baupfusch und architektonische Fehlleistungen in Istanbul dokumentiert. Fast täglich gibt es neue Fotos von den unzähligen Baustellen der Metropole – und von dem was bleibt, wenn die Arbeiter eingepackt haben. Nämlich riesige Plakatwände, die historisch einzigartige Fassaden verschwinden lassen, Stahl- und Glaskonstruktionen als Überbau jahrhundertealter Moscheen oder schlicht Beton, wo vorher Grünflächen waren.

»Ich bin kein Experte, nur ein normaler Istanbuler, der seine Stadt sehr liebt«, sagt Devrim. Die Veränderungen, die man in den vergangenen Jahren beobachten konnte, seien »skandalös, empörend und wahnsinnig hässlich«. Devrim macht dafür auch die Politik verantwortlich. Großprojekte der Regierung hätten die Stadt ebenso verschandelt, wie der Mangel an baulichen Kontrollen und Vorgaben zum Erhalt des historischen Stadtbildes.

12.000 Jahre alte Siedlung geflutet

Mit dem Twitteraccount trifft Devrim einen Nerv. Fast 100.000 Abonnenten hat »Cirkin Istanbul« mittlerweile. Der Erfolg könnte auch daran liegen, dass die türkische Regierung zunehmend für ihren Umgang mit dem architektonischen Erbe des Landes in die Kritik gerät.

Für jahrelangen Widerstand sorgte beispielsweise das Ilisu-Staudamm-Projekt. Dem Bauvorhaben, das die Regierung als Symbol des Fortschritts verkaufte, sollte eine der…