Am Ende eines Integrationskurses fallen mehr Zuwanderer beim Deutschtest durch als früher. Im ersten Halbjahr 2020 bestanden laut einem Bericht der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ) 59,2 Prozent der Teilnehmer die Prüfung. 2015 waren es noch 72,6 Prozent. Unter Jugendlichen sei die Erfolgsquote von 83,6 Prozent im Jahr 2015 auf 63,5 Prozent im Jahr 2019 gesunken. Das Blatt zitiert aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage des sozialpolitischen Sprechers der AfD-Bundestagsfraktion, René Springer.

Seit 2010 hätten 1,2 Millionen Menschen an den Integrationskursen teilgenommen, die Sprach- und Orientierungswissen vermitteln. Man kann den Test wiederholen oder auch mit einem niedrigeren Niveau als der erforderlichen Stufe B1 abschließen. Die Kosten für die Kurse lagen den Angaben zufolge von 2010 bis 2020 bei insgesamt 4,6 Milliarden Euro.

AfD: Fehlende Lernkultur

Es sei nicht akzeptabel, dass steuerfinanzierte Integrationsangebote „massenhaft ins Leere laufen“, sagte Springer der NOZ. Die hohen Durchfallquoten zeigten, „dass vielen Migranten die notwendige Lernkultur oder der Integrationswille fehlt“.

Im Gegensatz zu dem AfD-Politiker sieht das Bundesinnenministerium ein „großes Interesse“ am Erwerb von Deutschkenntnissen. Ein Sprecher sagte, fast eine halbe Million Asylbewerber mit guter Bleibeperspektive habe aus eigener Initiative beantragt, freiwillig am Integrationskurs teilzunehmen.

Weniger B1-Absolventen: Sprachübungen bei einem Kurs in Sachsen-Anhalt

Zu den Ursachen für die höhere Durchfallquote erklärte das Ministerium, seit der Flüchtlingskrise 2015/2016 habe sich die Zusammensetzung der Kursteilnehmer verändert. Zuletzt hätten viele Menschen „mit geringerer Vorbildung und großer kultureller und linguistischer Distanz“ teilgenommen.

Wenn Asylbewerber zu wenig üben oder unregelmäßig zum Unterricht erscheinen, kann das auch versteckte Ursachen haben. Experten verweisen darauf, dass etliche Zuwanderer durch Krieg und Folter…