Trotz der durch die Corona-Krise gesunkenen Flugbewegungen ist die Zahl der Toten durch Unglücke mit großen Passagiermaschinen im vergangenen Jahr gestiegen. Das zeigt der aktuelle Sicherheitsbericht des niederländischen Luftfahrt-Beratungsunternehmens To70. Zwar sei die Zahl der Abstürze gegenüber 2019 um die Hälfte gesunken, es habe aber fünf Unglücke gegeben, bei denen insgesamt 299 Menschen ums Leben kamen. Im Vorjahr wurden 257 Todesopfer verzeichnet.

Zwei besonders schwere Unglücke 2020

Hauptgrund für den aktuellen Anstieg ist der Abschuss einer ukrainischen Linienmaschine durch das iranische Militär im Januar 2020. Kurz nach dem Start in Teheran hatten die Streitkräfte eine Boden-Luft-Rakete auf die Boeing 737-800 abgefeuert. Die Soldaten hielten den Jet offenbar für ein feindliches Flugobjekt. 176 Passagiere und Crewmitglieder wurden dadurch in den Tod gerissen.

Der zweittödlichste Vorfall war der Absturz eines pakistanischen Verkehrsflugzeugs im Mai, bei dem 98 Menschen ums Leben kamen. Die Piloten hatten beim Landeanflug auf Karatschi das Fahrwerk nicht richtig ausgefahren. Laut Untersuchungsbericht bemerkten sie ihren Fehler vermutlich erst, als statt der Reifen die Triebwerke auf die Landebahn aufsetzten. Zwar gelang es ihnen noch durchzustarten, doch die Motoren waren offenbar so stark beschädigt, dass die Maschine wenig später in ein Wohngebiet stürzte.

Unglücksstelle nach Absturz bei Karatschi (im Mai): Anflug ohne ausgefahrenes Fahrwerk

Große Passagierflugzeuge, die To70 in seiner Statistik verzeichnet, werden von fast allen Reisenden genutzt, die mit Fluggesellschaften unterwegs sind. Unfälle mit kleinen Maschinen mit weniger als fünfeinhalb Tonnen Gesamtgewicht, die teils bei Zubringerflügen im Einsatz sind, werden nicht erfasst.

Große kommerzielle Flugzeuge hatten 0,27 tödliche Unglücke pro einer Million Flüge im Jahr 2020, so To70. Oder anders gerechnet: Es kam zu einem tödlichen Absturz alle 3,7 Millionen Flüge – gegenüber 0,18…