Wohl jeder in Portugal kannte Carlos do Carmo. Und daher ließ es sich die portugiesische Regierung unter Antonio Costa nicht nehmen, den Tod des wohl berühmtesten Fado-Sängers des Landes höchst offiziell bekanntzugeben.

Man habe die Nachricht vom Tod do Carmos mit „extremer Bestürzung“ und „tiefer Trauer“ aufgenommen, hieß es in einer Erklärung der Regierung. Und persönlich schrieb der Ministerpräsident auf Twitter: „Carlos do Carmo war nicht nur ein bemerkenswerter Fado-Sänger, einer seiner größten Beiträge zur portugiesischen Kultur war die Art und Weise wie er den Fado erneuert und für die Zukunft vorbereitet hat.“

Portugal trauert 

„Er war die Stimme Portugals“, sagte Präsident Marcelo Rebelo de Sousa dem Fernsehsender TVI. Und die Marine des Landes bekundete auf Twitter ihr Beileid mit einer Remineszenz an eines der berühmtesten Lieder do Carlos‘: „Die Frauen und Mädchen von Lissabon wachten heute traurig auf“, hieß es.

Carlos do Carmo starb am Morgen des Neujahrstages im Santa Krankenhaus Santa Maria in Lissabon, wie portugiesische Medien berichteten. Erst vor rund einem Jahr, im Alter von 80 Jahren, hatte er sich von der Bühne verabschiedet.

Bewahrer des Fado

1939 in Lissabon geboren, gilt do Carmo als Erneuerer des Fado, der den von Melancholie und Sehnsucht geprägten Musikstil davor bewahrte, in klischeehafte Unterhaltungsmusik abzugleiten.

Fado-Sänger Carlos do Carmo (r.) bei der Vorstellung des Films „Fado“ von Regisseur Carlos Saura (2.v.l.) auf dem San Sebastian Filmfest 2007

Der Fado, der im 19. Jahrhundert in den Straßen und Tavernen Lissabons entstand, drückt die portugiesische Neigung zur „saudade“ aus – ein Wort, für das es keine direkte Übersetzung gibt, das aber ein bitter-süßes Gefühl der Sehnsucht ausdrückt.

Do Carmo erweiterte den Fado mit Einflüssen aus anderen Musikstilen, wie dem brasilianischen Bossa-Nova oder Elementen aus Songs von Frank Sinatra, oder trat mit ganzen Orchestern auf – ein bewusster Bruch zur…