Mit dem Neujahrstag 2021 endete für die Briten die Brexit-Übergangsfrist. Zum fünften Mal verschleppte dabei eine britische Regierung das Versprechen von einem »globalen Großbritannien« in ein neues Jahr, ohne es einzulösen. Dem Land geht es also mit dem Brexit wie vielen Menschen am Neujahrsmorgen: Wo – selbst in diesem Jahr zumindest einige – Feuerwerkskörper knallten und hehre Vorsätze walteten, folgt mit Einbruch des Tageslichts die Ernüchterung. Etwas unaufgeräumt sieht es aus, und gar zu ambitionierte Vorhaben schrumpfen zu deutlich kleineren Etappenzielen.

Die Transformation von einem EU-Mitgliedsstaat zu »Global Britain« meint nach Angaben des Außenministeriums, in weltweite »Beziehungen zu investieren, sich für die regelbasierte internationale Ordnung einzusetzen und Großbritannien offen und selbstbewusst auf der Weltbühne zu präsentieren«. Premierminister Boris Johnson zufolge wird das Land als »prosperierende Freihandelsnation« in nahezu unvorstellbarem Ausmaß erblühen.

Gelungen ist davon bisher nicht viel. Den Versprechen steht bislang gegenüber, dass die Briten ihren bestehenden Zugang zur weltgrößten Freihandelszone aufgegeben haben – völlig unnötigerweise, wie Brexit-Gegner feststellen. Der an Heiligabend festgezurrte Last-Minute-Deal mit der Europäischen Union kann zwar das Schlimmste verhindern. Dennoch ist der Handel für die Briten nun komplizierter. Ihre Abhängigkeit von der EU ist dabei deutlich größer als andersherum. Einzelne, »viel vorteilhaftere« Abkommen mit anderen Industrienationen kann die britische Regierung bislang nicht vorweisen.

Dabei hat Großbritannien gute Voraussetzungen dafür, sich zu behaupten: Als fünftgrößte Volkswirtschaft der Welt, als Kern des 54 Staaten umfassenden Commonwealth, und als eine der fünf Atommächte mit ständigem Sitz im Uno-Sicherheitsrat besitzt das Land eine privilegierte Position. All das hatte es allerdings auch schon als Mitglied der Europäischen Union.

2021 bietet den…