Als am Mittag die erste Fähre aus Großbritannien im Hafen von Dünkirchen in Nordfrankreich anlegt, versammeln sich die französischen Zöllner auf einer Treppe am Hafenkai und schauen zu, wie die ersten Lkw von Bord rollen. Normalerweise arbeiten die Zöllner in ihren Büros und schauen auf Computerbildschirme, um Frachtpapiere zu checken.

Aber heute ist es doch anders, ja historisch, weil um Mitternacht das Handelsabkommen mit dem ehemaligen EU-Mitgliedsland Großbritannien in Kraft getreten ist. Anstelle des bisherigen Binnenmarktes tritt ein Abkommen, dass im Prinzip zollfreien Warenverkehr, aber auch mehr Kontrollen und Papierkrieg als bisher vorsieht.

Lkw-Staus wie hier vor dem südenglischen Dover vor Weihnachten blieben aus

„Die allermeisten Lkw-Fahrer haben die richtigen Zollerklärungen parat“, sagt Filip Hermann, Vizepräsident von DFDS, einer der größten Reedereien in Nordeuropa, am Fähren-Anleger von Dünkirchen. „Und denen, die keine vollständigen Papiere haben, versuchen wir schon in Großbritannien zu helfen, denn die dürfen gar nicht erst an Bord unserer Schiffe.“ Etliche kleinere Speditionen und Subunternehmen in Osteuropa hätten noch viele Fragen zu den neuen Frachtpapieren nach dem Brexit, so Hermann.

Ruhe vor dem Sturm?

Insgesamt ist die Abfertigung aber sehr ruhig. Am Feiertag ist eh nicht viel los, Corona schränkt das Passagieraufkommen erheblich ein und nur etwa zehn Prozent der 120 Lkw aus dem Bauch der Fähre werden zu zusätzlichen Kontrollen von den Zöllnern herausgewunken. Diese Quote könnte Frankreich aber jederzeit erhöhen.

Filip Hermann, Manager für den Ärmelkanal bei einer großen Reederei

„Die eigentliche Bewährungsprobe kommt in einigen Wochen, wenn das Güteraufkommen saisonbedingt zunimmt und die Speditionen wieder voll ausgelastet sind“, meint Logistikexperte Hermann von DFDS. Die letzten Wochen bis Weihnachten seien sehr geschäftig gewesen, erklärt er, weil viele Warenhäuser und Fabriken ihre Vorräte vor dem…