Kometenhafte Aufstiege sind normalerweise Popstars vorbehalten, seltener auch Politikern. Für Wissenschaftler sind sie beinahe unerhört. Am 9. November wurden Özlem Türeci und Uğur Şahin mit einem Schlag auf die Weltbühne katapultiert. Das von ihnen gegründete Forschungsunternehmen Biontech vermeldete den weltweit ersten großen Durchbruch im Kampf gegen die Corona-Pandemie: Der in Mainz entwickelte Impfstoffkandidat BNT162b2 zeigte sich in einer groß angelegten klinischen Studie zu mehr als 90 Prozent wirksam. Fast jeder Proband, der geimpft wurde, blieb von Covid-19 verschont.

Eine Sensation. Und vor allem: ein Hoffnungsschimmer. 1,3 Milliarden Dosen des Impfstoffs sollen im nächsten Jahr weltweit verteilt werden. Ein Ende der Pandemie ist damit greifbar. Şahin und Türeci können sich seither vor Aufmerksamkeit kaum retten, die Weltpresse hat ihr Herz für das türkischstämmige Paar aus Deutschland entdeckt: sie Chefmedizinerin, er CEO von Biontech, seit 18 Jahren sind die beiden verheiratet. In Interviews redete bisher meist Şahin, dieses ist ihr erstes großes gemeinsames Gespräch, per Zoom, aus ihrer Wohnung in Mainz. Die zwei sind dabei so entspannt, als wäre gerade nichts los.