Als etwa das Land Niedersachsen im Rahmen des aktuellen Corona-Shutdowns für den diesjährigen Jahreswechsel auch das Böllern verbot, reichte ein Knaller-und-Raketen-Fan beim Oberver­waltungsgericht in Lüneburg einen »Normenkontrolleilantrag« dage­gen ein – und bekam auch noch recht: Die Landesregierung habe nicht hinreichend dargelegt, dass ein umfassendes Feuerwerksverbot dem Infektionsschutz diene. Der Böller-Bann wurde vorläufig aufgehoben.

Dabei spricht nicht nur die erhöhte Infektionsgefahr dagegen, mit Freunden die Kracher krachen zu lassen: Haustiere rasten aus, Feinstaub verpestet die Luft. Und an keinem anderen Tag des Jahres verletzen sich so viele Menschen: Finger werden abgetrennt, Augen nehmen Schaden – böllern, bis der Arzt kommt.

Wer einmal im Ausland gelebt hat, etwa in Kalifornien oder in Australien, weiß, dass es vollkommen irre ist, was hierzulande in den ersten Stunden eines jeden neuen Jahres abgeht – anderswo ist eine solche millionenfache Sprengstofforgie so undenkbar, wie mit Tempo 200 über die Autobahn zu rasen.

Ob sich die Deutschen wenigstens in diesem Jahr zügeln können, ist ungewiss. Fans von Feuerwerkskörpern stehen in ihrer Renitenz Tempolimitgegnern und Gesichtsmaskenverweigerern in nichts nach. Jetzt erst recht, könnte die Devise lauten. Querdenken heißt in diesem Jahr vermutlich auch, kräftig zu böllern – einfach aus Trotz und weil angeblich die Freiheit in Gefahr ist.

Dabei wäre Corona eine Chance, endlich einmal auch hierzulande den Jahreswechsel friedlich genießen zu können.

Herzlich

Ihr Philip Bethge

(Feedback & Anregungen?) 

Abstract

Meine Leseempfehlungen dieser Woche:

Nie waren Wissenschaftler so präsent in der öffentlichen Debatte wie in diesem Jahr. Meine Kollegin Rafaela von Bredow über die Corona-Experten Anthony Fauci, Anders Tegnell und Christian Drosten.

Frühe Menschenarten haben vielleicht Winterschlaf gehalten. Lässt sich das nicht wieder einrichten, um die Corona-Pandemie einfach zu verschlafen?

Mit der…