Gefühlt war das schon Champions League: Im europäischen Supercup 2019 trafen der FC Liverpool, Sieger der Königsklasse 2019 und Europa-League-Gewinner Chelsea aufeinander. Auf dem Platz standen 22 Spieler und eine Frau: Stéphanie Frappart aus Frankreich leitete als erste Frau überhaupt ein Finalspiel der Männer auf europäischer Ebene. Allein durch dieses Novum ist ihr seitdem ein Eintrag in die Geschichtsbücher des Fußballs sicher. „Stéphanie Frappart, für immer eine Pionierin“ hatte die französische Zeitung „Le Parisien“ vor dem Spiel getitelt. Schon vor dem Anpfiff war Frappart zur Galionsfigur aufgestiegen, doch die damals 35-Jährige ist weit mehr als eine historische Figur.

Denn Frappart pfiff an jenem August-Abend in Istanbul nicht nur das Spiel zwischen den „Reds“ und den „Blues“, sondern auch mit Souveränität, Autorität und Kompetenz. Kurzum: Frappart lieferte den perfekten Auftritt, darin waren sich in der Beurteilung nach dem Spiel alle einig. „Das war brillant. Sie hat jederzeit alles im Griff gehabt“, lautete beispielsweise das Urteil des ehemaligen Weltklasse-Schiedsrichters Mark Clattenburg aus England. Jetzt steht die Französin als erste Frau überhaupt vor einem Schiedsrichter-Einsatz in der Champions League der Männer. Ein Blick auf ihre fabelhafte Karriere lässt die Leitung der Partie Juventus Turin gegen Dynamo Kiew einfach nur als logische Konsequenz erscheinen. Dass in Kateryna Monzul aus der Ukraine einen Tag später auch in der Europa League eine Schiedsrichterin Premiere feiert, ist zumindest indirekt auch ein Verdienst der vielleicht wichtigsten Schiedsrichterin, die es im Fußball je gegeben hat. 

Kometenhafter Aufstieg  

Wo auch immer Frappart zum Einsatz kommt, sie hinterlässt nachhaltig Eindruck. Deswegen lautet bei ihr die Frage nicht ob, sondern wann der nächste Schritt kommt. Denn in der Karriere der ehemaligen Fußballerin aus Herblay-sur-Seine in der Nähe von Paris geht es eigentlich immer nur in eine…