Der »George-Floyd-Moment« Brasiliens wird er genannt, der gewaltvolle Mord an einem Schwarzen und die Proteste, die auf die Tat folgten.

Sicherheitskräfte hatten am 19. November in einem Parkhaus eines Carrefour-Supermarkts in Porto Alegre auf Kopf und Körper von João Alberto Silveira Freitas eingeschlagen, bis das Blut spritzte. Sie knieten sich auf ihn, bis er nicht mehr um Hilfe rufen konnte – der 40-Jährige starb noch vor Ort.

Das Handyvideo der Gewalttat löste in Brasilien ein großes Echo aus: »João Beto«, wie ihn alle nennen, ist zu einem Gesicht des tödlichen Rassismus im Land geworden. In verschiedenen Städten des Landes gingen seither Tausende auf die Straßen, und die Debatte über strukturelle Diskriminierung, aber auch Polizeigewalt ist neu entbrannt, da einer der Täter als Militärpolizist arbeitet.

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Im ganzen Land protestierten Brasilianer gegen die Gewalt

Foto: DIEGO VARA / REUTERS

Die Sicherheitskräfte sind für ihr brutales Vorgehen gegenüber schwarzen Brasilianern bekannt. Im Mai wurde etwa der 14-jährige João Pedro Mattos Pinto von Polizisten erschossen. Zahlreiche Videos dokumentieren exzessive Gewaltanwendung – etwa, wie sich ein Polizist in São Paulo bei der Festnahme einer 51-jährigen Frau, die bereits Handschellen trug, auf ihren Hals stellte.

Der brasilianische Menschenrechtsanwalt Marco Antonio André berichtet im Interview, warum der Tod von João Beto das Land derzeit so bewegt, welchen Einfluss Rassismus auf den Alltag von schwarzen Brasilianern hat – und was sich dringend verändern muss.

Zur Person

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Foto: privat

Marco Antonio André, Jahrgang 1976, wurde in São Paulo geboren und arbeitet als Menschenrechtsanwalt in Blumenau, Santa Catarina. Als Mitglied der Nationalen Wahrheitskommission zur Sklaverei in Brasilien (Comissão Nacional da Verdade Sobre a Escravidão Negra no Brasil) setzt er sich für die Aufarbeitung der Sklaverei und ihrer…