Über einem Verwaltungsgebäude der Stadt Latschin hissten aserbaidschanische Soldaten die Landesflagge, wie Reporter der Nachrichtenagentur AFP meldeten. In den vergangenen Wochen hatte Armenien bereits die Regionen Aghdam und Kalbadschar an den Nachbarstaat übergeben. Vier weitere Regionen waren während der sechswöchigen Kämpfe von den Streitkräften Aserbaidschans eingenommen worden.

Eine Kolonne aserbaidschanischer Militärfahrzeuge war in der Nacht begleitet von russischen Streitkräften in die Region eingerückt. Vor der Ankunft der Armee hatten die meisten der bisherigen armenischen Bewohner ihre Dörfer in der Region Latschin geräumt, viele nahmen ihr gesamtes Hab und Gut mit. Einige setzten auch ihre Häuser in Brand.

Der 48-jährige Lewon Geworgjan, Besitzer eines Lebensmittelgeschäfts, entschied sich hingegen zu bleiben. „Ich fürchte mich nur vor Gott. Ich bin seit 22 Jahren hier, ich habe mit nichts angefangen, ich habe alles aufgebaut“, sagte er. „Falls ich gehen muss, werde ich alles niederbrennen.“

Ein „Feiertag“ für Alijew

Der aserbaidschanische Präsident Ilham Alijew sprach in einer Rede im Fernsehen vom Anbruch „einer neuen Realität“. In der Hauptstadt Baku sagte er: „Ich gratuliere dem gesamten aserbaidschanischen Volk zu diesem Feiertag.“ Alijew fügte hinzu: „Wir haben den Feind aus unserem Land vertrieben. Wir haben unsere territoriale Integrität wiederhergestellt. Wir haben die Besatzung beendet.“ Vor dem ersten Konflikt um Berg-Karabach in den 1990er Jahren hätten fast 50.000 Aserbaidschaner in der Region Latschin gelebt. Sie würden nun in „naher Zukunft“ zurückkehren. Zusammen mit deren Nachkommen schätzte er die Zahl auf mittlerweile 80.000 Menschen. Zudem solle eine neue Verbindungsstraße von Berg-Karabach nach Armenien gebaut werden. Seinen Angaben zufolge wird die Waffenruhe weitgehend eingehalten.

Präsident Ilham Alijew bei einer Fernsehansprache (Archivbild)

Nach sechswöchigen schweren Kämpfen um Berg-Karabach hatten die…