Der scheidende Juso-Chef Kevin Kühnert hat die SPD-Nachwuchsorganisation in seiner Abschiedsrede dazu aufgerufen, an ihrem dezidiert linken Kurs festzuhalten. Die Coronakrise habe gezeigt, dass sich viele Dinge umsetzen ließen, welche die Jusos lange gefordert hätten – etwa die Aussetzung der Schuldenbremse, massive staatliche Investitionen, Arbeitsplatzgarantien.

»Warum soll das eigentlich nur in Krisenzeiten möglich sein?«, sagte Kühnert auf dem digitalen Juso-Bundeskongress »Die Finanzierung scheint offensichtlich nicht das Problem zu sein.« Kühnert bekräftigte die Juso-Forderung nach einer Wiedereinführung der Vermögensteuer.

Der 31-jährige Kühnert tritt nicht erneut für den Juso-Vorsitz an. Er will sich auf seine Rolle als SPD-Bundesvize konzentrieren und für den Bundestag kandidieren. In seiner emotionalen Abschiedsrede zeigte er sich zu Tränen gerührt.

»Das mag etwas merkwürdig sein für Leute, die da jetzt zuschauen – warum heult der da jetzt rum?«, sagte er mit tränenerstickter Stimme. Er habe »ein heftiges Pensum in den letzten Jahren gemacht« und dabei immer die »bedingungslose Unterstützung« der Jusos für »den ganzen Wahnsinn« erhalten, fügte Kühnert hinzu. Es habe ihm einen »bombastischen Spaß« gemacht.

Den Jusos sei es in den vergangenen Jahren auch darum gegangen, die Parteien aufzurütteln, die sich alle zu sehr in der Mitte des politischen Spektrums versammelt hätten und sich alle irgendwie einig seien. »Als Antwort auf unsere Vorschläge will ich nicht hören: >Mann, seid ihr verrückt<, sondern ich will Gegenvorschläge hören«, sagte Kühnert.

Desiginierte Nachfolgerin Rosenthal will Linksbündnis

Einzige Kandidatin für Kühnerts Nachfolge ist die 28-jährige Lehrerin Jessica Rosenthal aus Bonn. Rosenthal ging auf Distanz zu SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz. »Ich will keine Kampagne sehen, in der es immer nur um einen einzigen Menschen geht«, sagte sie den Zeitungen der Funke Mediengruppe. »Olaf Scholz ist klar, dass…