Doch eine neue Studie zeigt nun: Die Ozeanzirkulation im Nordatlantik hat sich im Zuge des Klimawandels seit den Neunzigerjahren nicht verändert. »Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Zirkulationsänderungen und Veränderungen der Eigenschaften des Ozeaninneren möglicherweise in sehr unterschiedlichem Tempo ablaufen«, sagt der Ozeanograph Johannes Karstensen vom Kieler Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung. Die Ergebnisse der Studie sind in der Fachzeitschrift »Science Advances« erschienen.

Messungen zeigten seit Jahren, dass sich Eigenschaften des Wassers wie Sauerstoff- und Salzgehalte sowie Temperatur im Nordatlantik tatsächlich verändern. Die Forscher vom Geomar, dem South China Sea Institute of Oceanology der Chinesischen Akademie der Wissenschaften und des Georgia Institute of Technology (USA) untersuchten nun, ob sich auch die Strömungen im Ozean verändert haben. Dazu analysierten sie Daten von Forschungsreisen aus dem subtropischen und dem subpolaren Nordatlantik zusammen mit Satellitendaten, Messnetz-Beobachtungen und Modelldaten.

Sie stellten fest, dass auch Wasser in größerer Tiefe im vergangenen Jahrzehnt eine signifikante Versalzung, Anzeichen einer Erwärmung und größtenteils eine Abnahme des Sauerstoffs aufweist. Aber im subpolaren und subtropischen Nordatlantik stellten die Forscher im Zeitraum der 1990er- bis 2010er-Jahre keine Veränderungen eines großen Strömungssystems fest, zu dem auch der Golfstrom zählt.

Ist das also die Entwarnung? Lassen die Ergebnisse darauf schließen, dass sich die Strömungssysteme nicht verändern? Der Forscher formuliert es vorsichtig: »Offenbar verändern sich Wassereigenschaften und die Umwälzzirkulation unterschiedlich«, sagte Karstensen.

Der Golfstrom transportiert Wärmeenergie quer über den Atlantik bis vor die Britischen Inseln und in die Norwegische See. Er ist Teil eines größeren Strömungssystems, das als Atlantische Meridionale Umwälzzirkulation bezeichnet wird. Sie besteht laut Geomar…