China hat seinen ersten selbst entwickelten Kernreaktor in Betrieb genommen. »Damit bricht China das Monopol der ausländischen Kernkrafttechnologie und tritt offiziell in die erste Reihe der fortschrittlichen Länder ein«, erklärte der chinesische Energieriese CNNC, nachdem die „Hualong One“ am Freitag ans nationale Netz angeschlossen wurde.

Nach Angaben des Betreibers ist der neue Reaktor fähig, jährlich zehn Milliarden Kilowattstunden Strom zu erzeugen und damit den Kohlenstoffausstoß um 8,16 Millionen Tonnen zu senken. »Hualong One« steht in der ostchinesischen Provinz Fujian.

Laut der Nationalen Energiebehörde deckten Kernkraftwerke im Jahr 2019 weniger als fünf Prozent des jährlichen Strombedarfs in China ab. Doch der Anteil dürfte steigen, da Peking bis 2060 klimaneutral werden will. Eine geringere Abhängigkeit vom Westen in Technologiesektoren wie der Stromerzeugung ist zudem ein erklärtes Ziel des Pekinger Vorhabens »Made in China 2025«.

Die chinesische Regierung steckte in den vergangenen Jahren Milliarden Dollar in den Ausbau ihres Kernenergiesektors. In China sind derzeit 13 Atomkraftwerke im Bau – mehr als in jedem anderen Land.

Bedeutung der Atomenergie für Klimawandel – umstritten

Peking ist damit auf der Linie der Internationalen Atomenergiebehörde. Deren Chef Rafael Grossi hatte erst vor Kurzem wieder betont: ohne Atomkraft kein wirksamer Klimaschutz. Bei einem Besuch in Deutschland sagte der Argentinier: Das für 2022 beschlossene Ende der Kernenergie in Deutschland ist zwar politisch legitim, aber in Bezug auf das Klima und das Zwei-Grad-Ziel nicht wissenschaftlich begründbar. »Die wissenschaftliche Tatsache ist, dass Atomkraftwerke einen extrem geringen Kohlendioxid-Ausstoß verursachen.« Es sei Fakt, dass ein Drittel der sauberen Energie aus nuklearen Quellen stamme. 

Atomkritische Klimaschützer monieren jedoch, dass ein Ausbau der Atomkraft im Namen des Klimaschutzes teuer und ineffizient sei. »Wir müssen bereits Mitte des…