Jörg Meuthen redet. Was er sagt, wirkt wie ein Einschlag in der Messehalle in Kalkar. Der Co-Parteichef rechnet mit dem Erscheinungsbild seiner Partei ab – und zwar so gründlich wie kaum ein AfD-Poltiker zuvor.

Es ist ein überraschender Aufschlag zu Beginn des zweitägigen Parteitags, auf dem eigentlich ein Rentenkonzept verabschiedet werden soll.

Auf den Vorstandsplätzen zeigen die TV-Kameras den AfD-Ehrenvorsitzenden Alexander Gauland. Einst hatte Gauland zusammen mit Meuthen die AfD geleitet, heute sind sie zerstritten, seitdem Jörg Meuthen im Mai dafür sorgte, dass der Brandenburger AfD-Politiker und Rechtsaußen Andreas Kalbitz per Vorstandsbeschluss seine Mitgliedschaft verlor.

An diesem Samstag ist Gauland auf dem TV-Monitor zu sehen, wie er nur gelegentlich bei der Rede Meuthens klatscht. Denn was der Co-Parteichef sagt, ist eine Art Generalabrechnung mit der eigenen Partei. Die AfD sei an einem Punkt angelangt, »an dem es nicht mehr automatisch immer weiter nach oben geht und sich Wahlerfolg an Wahlerfolg reiht.«

Es ist das Intro zu einem Auftritt, den viele so nicht erwartet hatten.

Denn Meuthen geht mit fast allem ins Gericht, womit die AfD in den vergangenen Wochen von sich reden machte: mit der Kritik an der Corona-Politik, mit dem Hereinlassen von rechten Bloggern in den Bundestag durch zwei AfD-Bundestagsabgeordnete, mit den Kontakten zur »Querdenker«- Bewegung der Kritiker der Corona-Schutzmaßnahmen.

Seine Kritik zielt, wenngleich er ihn namentlich nicht nennt, auch gegen Gauland, der sich in seinen Reden im Bundestag und in der Partei immer wieder auf Reichskanzler Otto von Bismarck bezieht und jüngst von der »Corona-Diktatur« im Bundestag sprach. Es reiche nicht, sich wechselseitig zu versichern, man sei konservativ. »Einige in unseren Reihen scheinen darunter ein Zurück ins gestern zu verstehen, fühlen sich bei Bismarck zu Hause und verehren geradezu schwärmerisch diese historische Figur«, sagt Meuthen.

Diese AfD-Politiker propagierten eine…