Es ist eine Welt im Aufbruch, in die Friedrich Engels 1820 geboren wird. Von England aus verbreitet sich die Industrielle Revolution wie ein Lauffeuer, Arbeiterheere entstehen. Auch in Engels Geburtsstadt Wuppertal, südlich des Ruhrgebiets im Westen Deutschlands, rauchen die Fabrikschlote. Friedrichs Vater betreibt hier eine Textilfabrik. Vom Industriellensohn, der lernt und genau begreift, wie der Kapitalismus funktioniert, wird Engels – neben Karl Marx – zu dessen berühmtesten Kritiker. 

Ein Widerspruch? Jedenfalls eine überraschende Wendung, die noch heute fasziniert: ″Für mich ist Engels bipolar“, sagt etwa Eckehard Lowisch. Der Wuppertaler Bildhauer hat zur 200-Jahr-Feier des Philosophen, Gesellschaftstheoretikers und Revolutionärs eine Engels-Skulptur entworfen. ″Ein Mann, der sich morgens Shrimps und Schampus gönnt und abends mit seiner Freundin durch die armen Arbeiterviertel von Manchester streift“, so Lowisch, „der war beides: Kapitalist und Revolution, auf jeden Fall aber hatte er ein großes Gerechtigkeitsempfinden.“

Früher Kampf mit dem Vater

Engels-Skulptur aus geschichtetem Marmor von Bildhauer Lowisch

Als ältestes von neun Kindern ist Friedrich Engels der Hoffnungsträger seines Vaters. Der nimmt den Junior kurz vor dem Abitur aus dem Gymnasium, damit er eine Kaufmannslehre antritt. Vater und Sohn geraten häufig aneinander: Der Widerspruch zwischen pietistischer Frömmigkeit und kapitalistischem Gebaren stößt dem jungen Engels auf. Unter dem Pseudonym Friedrich Oswald veröffentlicht er mit den „Briefen aus dem Wupperthal“ erste sozialkritische Schriften: „Es herrscht ein schreckliches Elend unter den niedern Klassen, besonders den Fabrikarbeitern im Wuppertal“, formuliert der 19-jährige Engels so wortgewandt wie drastisch, „in Elberfeld allein werden von 2500 schulpflichtigen Kindern 1200 dem Unterricht entzogen und wachsen in den Fabriken auf, bloß damit der Fabrikherr nicht einem Erwachsenen, dessen Stelle sie vertreten, das…