„Es besteht der Verdacht, daß Wertgegenstände, die gesellschaftliches Eigentum sind, bisher nicht staatlich erfasst wurden und sich in Tresoren, Safes und sonstigen Einrichtungen in Sparkassen, Banken und anderen Finanzobjekten befinden“, steht es in einem vertraulichen Schreiben vom 20.12.1961 an den Leiter der Bezirksverwaltung in Erfurt. Und weiter: „Das Ziel der Aktion ist die Ermittlung und Sicherstellung der bisher nicht ordnungsgemäß erfassten Wertgegenstände, die gesellschaftliches Eigentum sind, um Schieber- und Spekulanten zu unterbinden.“

Der Betreff: „Aktion Licht“. Es ist ein einmaliges Unterfangen des Ministeriums für Staatssicherheit, das in nur wenigen Tagen durchgeführt werden musste – streng sekretiert, selbst innerhalb der Stasi wurde nur ein kleiner Personenkreis in diese Aktion  eingeweiht. Im 12-seitigen Dokument wird akribisch aufgelistet, wie die Aktion vonstatten gehen soll – aufgelistet nach Stunden. Demnach sollen die Einsatztruppen am 6.1.1962  um 15 Uhr beginnen. Zwei Tage später soll bis 12 Uhr Bericht erstattet werden. Unterzeichner des geheimen Dokuments: Erich Mielke, Minister für Staatssicherheit.

Das Gebäude des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR in Ost-Berlin (1985): Nur wenige waren in die Aktion „Licht“ eingeweiht.

„Die strenge Geheimhaltung der Aktion dürfte verschiedene Gründe gehabt haben. Einmal hätte es das Finanz- und Bankwesen der DDR bis in den inneren Kern erschüttert und das Vertrauen darin innerhalb der Bevölkerung wie auch international gen Null tendieren lassen. Man war sich des Unrechts, das man mit dieser Aktion beging, bewusst. Und man muss dazu sagen, dass die Staatssicherheit das offizielle Untersuchungsorgan auch für kriminelle Delikte gewesen ist und nun selbst in erheblichem Umfang kriminell wurde“, sagt Henry Leide, Historiker und Mitarbeiter bei dem Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR (BStU).

Alexander Schalk-Golodkowski (r.), der…