Die Präsidentschaftswahl ist seit fast zwei Wochen vorüber, als eine Handvoll Freiwilliger vor dem Gemeindezentrum von Marietta wieder Plakate und Aufsteller verteilt. Marietta liegt eine halbe Autostunde nördlich von Atlanta im US-Bundesstaat Georgia. Auf den Plakaten stehen zwei Namen, Jon Ossoff und Raphael Warnock. Ein Mann mit Mikrofon bittet die Autofahrer, sich in langen Reihen aufzustellen – »wie im Autokino«. Auf der Ladefläche eines Pick-up-Trucks steht ein Rednerpult, der Parkplatz füllt sich. Die Szene wirkt, als hätte der Wahlkampf in Georgia nie aufgehört.

Es dauert nicht lange, bis Ossoff und Warnock persönlich auf den Parkplatz treten. Sie sind die Kandidaten der Demokraten für zwei Senatorenposten in Georgia, nachdem die beiden Amtsinhaber der Republikaner vor zwei Wochen weniger als 50 Prozent der Stimmen bekommen haben. Nach dem Wahlrecht des Staats müssen sich die Vier einer Stichwahl stellen, die am 5. Januar stattfindet.

Erst redet Ossoff, dann Warnock. Beide sprechen davon, dass Georgia »blau« geworden sei, die Farbe der Demokraten. Sie warnen davor, dass ein Sieg ihrer republikanischen Widersacher die Gesundheitsversorgung vor allem ärmerer Menschen gefährden würde.