von Daniel Wüstenberg
22.11.2020, 17:15 Uhr

Sie fühle sich wie Sophie Scholl, behauptete eine Gegnerin der Coronavirus-Politik auf einer Demo in Hannover – und verdeht so die Geschichte. Ihre herbeifantasierte Gleichsetzung mit einem Opfer der NS-Diktatur ist kein Einzelfall in der „Querdenken“-Bewegung.

Wieder sorgt eine Infektionsschutz-Gegnerin durch einen konstruierten Vergleich ihrer selbst mit den Opfern der Nazi-Diktatur für Entrüstung. Schauplatz diesmal: eine Demonstration von mehreren hundert Anhängern der selbsternannten „Querdenker“-Bewegung gegen die Maßnahmen zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie in Hannover am Samstag.

Auf der Bühne: Eine Frau, die sich als Jana, 22 Jahre alt, aus Kassel vorstellt. Ihren Redebeitrag beginnt sie mit einem geschmacklosen Vergleich: „Ich fühle mich wie Sophie Scholl“, behauptet sie und führt als Begründung an, dass sie seit Monaten im vermeintlichen „Widerstand“ aktiv sei, Reden halte, Demonstrationen besuche, Flyer verteile und Versammlungen anmelde. Von Umstehenden erntet sie Applaus, wie auf Aufnahmen zu hören ist. 

Der stern hat das inzwischen millionenfach abgespielte Video des Auftritts umfangreich verifiziert, an dessen Echtheit gibt es keine Zweifel.