„Ergreifen Sie diese letzte Gelegenheit“ zur Aufgabe, mahnte der äthiopische Regierungschef Abiy Ahmed. Andernfalls werde das Militär mit einer Offensive auf die Regionalhauptstadt Mekelle beginnen.

Die Volksbefreiungsfront TPLF, die Tigray beherrscht, reagierte bislang nicht auf das Ultimatum der Zentralregierung in Addis Abeba. Zuletzt hatte sie erklärt, dass ihre Kämpfer standhaft bleiben würden. Abiys Truppen haben mit Unterstützung von Luftangriffen und Bodenkämpfen eine Reihe von Ortschaften in Tigray eingenommen. Sie rücken auch auf die etwa 500.000-Einwohner-Stadt Mekelle vor, von wo aus die TPLF agiert.

„Keine Gnade mehr“

Ein Militärsprecher kündigte an, dass die Stadt mit Panzern umzingelt werde. Er forderte die Zivilbevölkerung auf, sich in Sicherheit zu bringen. „Danach wird es keine Gnade mehr geben.“ Abiy erklärte, es seien alle notwendigen Vorkehrungen getroffen worden, um sicherzustellen, dass Zivilisten nicht zu Schaden kämen.

Vor den Kämpfen in Tigray sind Zehntausende geflohen: An der Grenze zum Sudan suchen viele Schutz

Der Konflikt mit der TPLF war am 4. November militärisch eskaliert. Beide Seiten werfen sich gegenseitig vor, die Kämpfe begonnen zu haben. Hunderte Menschen, wenn nicht gar Tausende, sind seitdem ums Leben gekommen. Zehntausende sind auf der Flucht, alleine im benachbarten Sudan suchen inzwischen 30.000 Menschen ihr Heil. Mehrere Staaten dringen auf eine friedliche Lösung.

25 Jahre lang mit im Boot

Die TPLF war die dominante Kraft in der Parteienkoalition, die Äthiopien mehr als 25 Jahre lang mit harter Hand regierte. Als Regierungschef Abiy 2018 in Äthiopien an die Macht kam, brachte er Reformen auf den Weg, entfernte Funktionäre der alten Garde und gründete eine neue Partei, der die TPLF aber nicht beitrat.

Die TPLF und viele Menschen in Tigray fühlen sich von der Zentralregierung nicht vertreten und wünschen sich eine größere Autonomie. Unter Abiy – der 2019 den Friedensnobelpreis erhielt – sind ethnische…