„Schwarze Milch der Frühe wir trinken sie abends/ wir trinken sie mittags und morgens/ wir trinken und trinken“ – mit diesen Versen beginnt Paul Celan sein weltberühmtes Gedicht „Todesfuge“. Es begründet seinen Ruhm als der bedeutendste deutschsprachige Lyriker nach 1945. Der jüdische Autor hat mit seiner eindringlichen Sprache ein Werk geschaffen, dessen Bedeutung noch heute, 50 Jahre nach seinem Tod und 100 Jahre nach seinem Geburtstag (23. November) zahlreiche Fragen aufwirft. Sein lyrisches Werk zählt zu den rätselhaftesten und meist interpretierten seiner Art.

Celan setzt sich zeitlebens mit dem Holocaust auseinander 

1970 findet ein Fischer Paul Celans Leichnam in der Seine, zehn Kilometer flussabwärts von Paris. Die genauen Umstände seines Todes sind nicht geklärt, es wird jedoch vermutet, dass er sich in der Nähe seiner Pariser Wohnung in den Fluss stürzte. Wenn es so gewesen war, dann auch aufgrund eines Gefühls der Heimatlosigkeit, das sich auch in seiner Lyrik wiederfindet und das ihm auch die deutsche Sprache nicht zu nehmen vermochte. 

Geboren wird Celan als Paul Antschel am 23. November 1920 in Czernowitz, bis 1918 habsburgisch, später rumänisch, sowjetisch und heute ukrainisch, bekannt für ihre Nähe zur Poesie. Viele Sprachen und Kulturen prägen das multikulturelle Czernowitz. Vor dem Zweiten Weltkrieg sind fast die Hälfte der Einwohner Juden. 
Bereits als Kind lernt Celan Gedichte auswendig. Er ist von deutscher Literatur fasziniert, von Friedrich Hölderlin, Heinrich Heine und Franz Kafka – und beginnt bald selbst Gedichte zu verfassen.
Celan studiert Romanistik, als der Zweite Weltkrieg ausbricht. Die Rumänen, welche die Bukowina samt Czernowitz nach der Besetzung der Sowjets wieder übernehmen, kollaborieren mit den Deutschen bei der Verfolgung von Juden. Während andere bereits fliehen, entscheidet sich Celans Familie zu bleiben. 

Muttersprache, Mördersprache

Gedenktafel erinnert an das Czernowitzer Getto, in dem 50.000 Juden…