SPIEGEL: Frau Kipping, wir haben November. Wenn alles normal gelaufen wäre in diesem Jahr, was würden Sie jetzt tun?

Kipping: Dann würde ich mich jetzt für einige Monate vor allem um die Sozialpolitik und um meinen Wahlkreis Dresden kümmern. Am Sonntag nach dem Parteitag wollte ich nach Hause fahren und mich auf die Anhörung zu den Hartz-IV-Regelsätzen im Bundestag vorbereiten. Nun bin ich weiter Vorsitzende. Aber ich will mich nicht beschweren. Gerade müssen viele Menschen alles Mögliche umplanen, vom Familienurlaub bis zur beruflichen Existenz.

Zur Person

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Foto: Robert Michael / dpa

Katja Kipping, geboren 1978 in Dresden, führt sei Juni 2012 gemeinsam mit Bernd Riexinger die Linke. Seit 2005 sitzt sie für die Partei im Bundestag, zuvor gehörte sie sechs Jahre lang für die PDS dem sächsischen Landtag an.

SPIEGEL: Die Wahl Ihrer Nachfolge hätte erst im Juni, dann Ende Oktober stattfinden sollen. Nach zwei abgesagten Parteitagen sind Sie viel länger als geplant im Amt. Wie gehen Sie damit um?

Kipping: Das ist eine ungewöhnliche Situation. Aber offen gesagt: Wir standen in den vergangenen Jahren immer wieder vor komplizierten Aufgaben. Der Vorsitz dieser Partei war noch nie ein Wellnessposten, aber immer eine faszinierende Herausforderung.

SPIEGEL: Jetzt steht die Linke aber vor einem entscheidenden Superwahljahr – ohne neue Spitze.

Kipping: Als Bernd Riexinger und ich 2012 Vorsitzende wurden, war das auch nicht von langer Hand geplant. Damals war sogar bis zum Parteitag völlig unklar, wer die Linke künftig führt. Alle mussten mit dieser Herausforderung umgehen. So aufregend, wie es angefangen hat, so endet es jetzt mit einer ungeplanten Verlängerung.

»Unsere Autorität ist gerade besonders groß.«

SPIEGEL: Haben Sie als scheidende Vorsitzende noch die Autorität, um den Umbruch zu organisieren?

Kipping: Ich würde sogar sagen, unsere Autorität ist gerade besonders groß.

SPIEGEL: Wie bitte?

Kipping: Wir lassen…