Es klang unglaublich, aber weil es in der „New York Times“ stand, musste es ja irgendwie stimmen: Am Donnerstagabend vergangener Woche, so schrieb Ben Smith, der Medienredakteur der Zeitung, habe Präsident Emmanuel Macron in seinem güldenen Büro im Élysée-Palast zum Telefon gegriffen, um sich bei ihm zu beschweren. In Smiths Artikel mit der Überschrift »The President vs. American Media« hörte sich das nach einem spontanen Anruf an, geboren aus Wut und Ärger, nach einer übergriffigen Maßregelung aus dem fernen Paris.

Erstaunlich erschien dabei nicht nur, dass Emmanuel Macron sich zu so etwas hinreißen lässt, sondern auch, dass er für Zurechtweisungen der amerikanischen Presse überhaupt Zeit hat in einer der angespanntesten Phasen seiner Amtszeit. In ganz Frankreich herrscht seit drei Attentaten in nur fünf Wochen nach wie vor die höchste Terroralarmstufe. Und die Covid-19-Infiziertenzahlen sind erneut so angestiegen, dass der französische Präsident wie im Frühjahr einen strengen Lockdown für das ganze Land anordnete.