Die bislang größten Proteste gegen Präsident Alejandro Giammattei und seine Regierung erreichten in der Nacht zu Sonntag ihren vorläufigen Höhepunkt. Einige der mehr als 10.000 Demonstranten setzten am Rande einer eigentlich friedlichen Kundgebung Teile des Parlamentsgebäudes im historischen Zentrum von Guatemala-Stadt in Brand und warfen Steine auf die Sicherheitskräfte, die ihrerseits Tränengas gegen die Protestierer einsetzten.

Tausende Demonstranten vor dem Kongressgebäude in Guatemala-Stadt fordern den Rücktritt von Präsident Giammattei

Das Rote Kreuz behandelte eigenen Angaben zufolge mehrere Menschen wegen Rauchvergiftungen. Fast 50 Menschen seien ins Krankenhaus gebracht worden, sagte ein Sprecher der Organisation. Einer von ihnen schwebe in Lebensgefahr.

Wie ein Gerichtssprecher mitteilte, wurden mehr als 20 Personen festgenommen. Amnesty International forderte Untersuchungen zu den Verhaftungen. „Es gab zahlreiche Beschwerden über Misshandlungen, exzessiven Einsatz von Gewalt und wahllosen Einsatz von Tränengas durch die guatemaltekische Polizei“, schrieb die für die Region zuständige AI-Direktorin Erika Guevara Rosas.

Präsident kündigt Strafen an

Präsident Giammattei äußerte sich ebenfalls auf Twitter zu den Vorfällen. Er schrieb, es gebe „ein Recht zu demonstrieren“, allerdings könne man „nicht zulassen, dass öffentliches oder privates Eigentum zerstört“ werde. „Wer sich an diesen kriminellen Taten beteiligt, den wird die volle Härte des Gesetzes treffen“, so der Staatschef.

Eine weitere Kundgebung gegen Giammattei vor dem alten Regierungspalast im Zentrum der Hauptstadt verlief dagegen friedlich. Viele Demonstranten schwenkten die guatemaltekische Flagge und skandierten „Giammattei raus“ und „Keine Korruption mehr“.

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